Rezeption

Solange ein System in der Kunst offen ist, könnte man es demokratisch nennen. Das Werden ist mitgemeint, das Schichten und Durchqueren macht den Sinn einer nachvollziehbaren Aktion, als fertiges Objekt geronnener Zeit. Hier fängt die Arbeit des Betrachters an, aber letztlich wird er nur eine Reflexion sehen, das von der Oberfläche zurück geworfene Licht seines Selbst. So ist das strukturelle, analytische Spiel eher ein Tanz auf des Messers Schneide, weil es nach dem geschulten Betrachter verlangt. Hier liegt ein Ausschluss vor, der Demokratie in der Betrachtung meint, aber nur Personal brauchen kann, das die Grundlagen des Systems versteht. Erläuterung ist selbstgefällig. Der Augensinn – das unmittelbare Verstehen – ist die letzte Möglichkeit Dissonanzen wieder einzurenken. Der Weg zum Begreifen muss somit ins Werk eingeschrieben sein, was Didaktik vermuten lässt.
Das andere Ende ist geschlossen, auratisch: ein Werk auf der Wand, oder im Raum wird in Szene gesetzt, die Atmosphäre aufgeladen durch das Nichttun der unmittelbaren Nachbarschaft, ein idealer Raum. Der Dialog mit anderen Arbeiten wird vermieden, Wirkung und Spannungen einzelner Elemente bleiben auf sich bezogen, Gesellschaft scheint ausgeblendet. Es entsteht ein Kokon der Wahrnehmung, der sich wie die Gravitation der Erde um das Werk legt, eine holistische Wolke, die sich selbst genügt. Das Verhältnis von Raum und Umraum wird zur Idee, durchdringende Achsen reichen weiter als die Wand – nach der Tür ist noch lange nicht draussen. Die Wirkung ist direkt auf die Sinne gerichtet; umfangen, verstehe ich mit dem Bauch, wohin die Reise gehen soll. Erst auf dem zweiten Blick nehme ich mich wieder wahr, stelle die Realität von Objekt und Subjekt wieder her, mein Gehirn installiert sein Ortungssystem neu, fährt das ICH wieder hoch.
Kirche, wie Propagandaveranstaltungen, kamen/kommen mit ähnlichem Ansatz, beziehen aber ausdrücklich den Umraum mit ein (der natürlich auch inszeniert ist) und im Gesamt(kunst)werk mündet. Ein Wiederfinden des ICHs ist nicht mitgemeint und schmeit nur beim auratischen Werk gegeben, weil man der Behauptung des Focus‘ im ‚Withe Cube‘ noch widersprechen kann.