Moderne

… man soll denken, dass die Moderene (auch die Postmoderne, als Teil der Moderne) Sinn stiftet, auf dem die bürgerlich demokratische Ordnung beruht. Das, denke ich, ist weit gefehlt, die Modere hat unter dem Deckmäntelchen der Befreiung des Individuums, eben nur das Kapital aus seinen Fesseln gelöst. Die Quittung zahlen wir jetzt. Deswegen mein rhetorischer Einlass (im Ausstellungsgespräch), die Postmoderne vom Kopf wieder auf die Füsse zu stellen. Letztlich richtig, wenn man der großen Entleerung wieder Substanz, vielleicht Sinn, injizieren will.
Heute in der Spätmoderne (es ist fein zu sehen, dass wir unsere Dekaden jetzt schon selbst benennen), ist der liberale Kapitalismus derart verwachsen, dass die Blüten von Nationalstaatlichkeit und innere Repression die Oberhand gewinnen. Demokratien gibt es nur noch auf dem Papier, selbst die Judikative wird vereinnahmt.
Hatte der multikulturelle Ansatz je eine Chance, war/ist Integration möglich?
Kindergarten, Schulen, nicht zuletzt die Bundeswehr waren Bestandteil von Gesellschaftsformung. Heute immer mehr in Frage gestellt durch Milieus, oder quasi-Enklaven. Wie raus aus dem Selbstschutz einzelner Gruppen. Der Bürger in Uniform (so ungern ich auch dort war – ein Maßband hatte ich nicht), war ein Mittel zur Konsolidierung auseinander driftender Pole.
Identität gibt es nicht durch plündern, oder brennende Autos. Identität gibt es nur durch eine gemeinsame Sprache und gemeinsames Handeln, über die Werte vermittelt werden. Die Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht als Vorbereitung auf kritische Zustände?
So ist die deutsche Sprache ein Wert, den es zu pflegen gilt, das kann nicht den Rechten überlassen werden. Auch nicht die Utopie. Die Deutungshoheit der Zukunft sollte in der Gesellschaft liegen, auf keinen Fall an den Rändern!
Der Bedarf an neuen Ideen, der aus der Gesellschaft als Entwurf zur Verwirklichung strebt, muss gestillt werden. Kein weiter so.
Utopie sollte auch in die künstlerischen Entäußerungen einfließen, die sich zwangsläufig entleerende Moderne (Post und Spät gleich dazu), auch Kunst als Protest, taugen nicht, eine zukünftige Welt zu gestalten, ist Kinderkacke, letztlich regressiv.
Diese bürgerliche Gesellschaft hat es doch geschafft, frei für etwas (Demokratie), statt nur frei von etwas (Faschismus), zu sein; nutzen wir das und sehen es dem Osten nach, dass ihn diese Chance nicht zugestanden wurde (eine Hälfte musste die Trauer der Unschuld tragen).
Ich gehe in das nächste Konzert und rieche den Muff unter den Teppichen – klar. Mir sind Shostakovich und Hartmann allemal lieber als Lachemann und Xenakis. Es ist die Verdrehung, das Frei von etwas, was diese Stücke schreibt, verantwortungsentzogen in die Welt hinein. Und wir im Westen griffen fröhlich zu.
Was passiert eigentlich, wenn die klassische Musik nicht mehr zur kulturellen Identifikation beiträgt. Immer mehr führt es ein gefördertes Nischendasein, ähnlich der bildenden Kunstvereins-Kunst. An hohen Kultur-Tagen kommt noch etliches an Leuten zusammen, die aber meist unmittelbar involviert sind, ich rieche das, der Stall läßt sich nicht leugnen.
Klar, Kunst für die breite Masse war nie der Plan, dafür hat man sich schon einiges an Salz aufs Haupt gestreut. Und gerade bei Beuys ist es eher die Eskapade, die ihn, innerhalb einer Bewegung, bekannt macht hat. Ich zehre von Ihm, seiner vermeintlichen Verantwortung einer vermeintlichen utopischen Strategie. Alles erlogen und erstunken. Trotz alledem Geschichtenerzähler, als artifizielles Pflaster für eine wunde Gesellschaft. Aber auch das Beispiel, dass sich reale Politik mit Kunst nicht verträgt.
Es geht um die Besetzung der Leerstellen, nicht der Lehrstellen, dieses Professorengezücht ist schon eine Bürde, da es verstaatlicht, was nicht zu verstaatlichen ist. All die Verbeamtungen?, Körperschaften müssen gewählt und abgewählt werden können, Präsidenten haben im Turnus von 8 Jahren zu gehen.
Das System der Räte ist richtig, auch wenn VW vorgemacht hat, wie man Arbeitnehmervertreter korrumpiert. Klar passiert das, der Mensch ist käuflich (warum eigentlich immer VW?).
Natürlich ist das nicht einfach, denn solange das Kapital frei fliessen kann, wird es Spannungen geben, die – wie man so schön sagt – irgendwann aufbrechen. Indem man der Arbeiterklasse den Zahn gezogen hat, die Verhältnisse von Arbeit verwischt, sich die Ressourcen der Welt aneignet hat, ist auch der Klassenbegriff obsolet geworden. Das Internationale Proletariat war in Europa, England, wie Amerika mit gleichen Situationen konfrontiert. Heute gibt es prekäre Beschäftigungen, höchstbezahlte Facharbeiter, Hilfsarbeit in dritt-Ländern. Arbeit heterogen geworden, Teile und Herrsche, pack noch ein Brot dazu, in der ‚ersten‘ Welt bitte nicht die Butter vergessen.
China schafft es, mit dem Versprechen einer progressiven Gesellschaft, die Klassenunterschiede zu verkleistern. Es ist aber nicht die Demokratiebewegung, die diese Länder gefährden, sie würden sie sogar entwickeln, aber die Parteischergen sitzen auf ihren Posten und denken allen Ernstes, dass ihre die beste aller Welten sei, weit gefehlt. Staatskapitalismus zwingt den Menschen ins Korsett. Überwachung bis zum Äußersten, was werden sie den Menschen lassen? Noch können die Widersprüche ausgeblendet werden mit einer vermeintlichen Entwicklung zum Besseren. Erfolg ja, solange man mitschwimmt. Ein Dreck!
Das ist kein Aufbruch in die moderne Gesellschaft und hier, was soll kommen nach der Spätmoderne, es gibt nicht eine Entwicklungsperspektive, die Länder haben sich im Inneren individualisiert, nationalisiert, dass ein allgemeines Bewusstsein über globale Ziele kaum noch möglich ist.
Umwelt, Pandemie etc., klar, aber es ist das freie Kapital.
Karl Marx‘ Analyse muss man nicht wiederholen, es ist alles dargelegt. Anpassen ja, die Gegebenheiten haben sich seit 150 Jahren entwickelt. Die Probanden haben gewechselt und wie Marx trefflich nachwies, hatte das Lumpenproletariat kein Chance auf Revolution. Es konnte teilhaben, aber nicht führen.
So stelle ich die entscheidende Frage: Wer kann die Menschen in eine bessere Welt führen?
Niemand.
Und gleich die zweite entscheidende Frage: Was wird passieren?
Nichts, die Welt entwickelt sich zu Ende! Vielleicht wäre Abwicklung das richtige Wort.
Und die dritte: Was weiß ich?
Ich weiß, dass da mehr ist als ich sehe. Und somit wäre ein Ende, eben auch wieder ein Anfang.
Das ewige Rad?, ich hoffe nicht, denn immer wieder Leiden (allein der Widerspruch zwischen ich und nicht ich wär schon genug), nur damit dieser Motor läuft, ist nicht mein Ziel. Inkarnation ist verpflichtend.
Vierte Frage: Was ist zu tun?
Nicht an Inkarnation Glauben, nicht an Stufen, nicht an Wiedergeburt. Und doch, wenn Geist nicht zu Fleisch wird, wer ist dann mein Nachbar?
Es geht darum, diese Welt in der Ganzheit meiner Selbst zu verlassen, das Rad zu stoppen.
Alles andere ist wie Gras.