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Notizen zur Kunst

Moderne

… man soll denken, dass die Moderene (auch die Postmoderne, als Teil der Moderne) Sinn stiftet, auf dem die bürgerlich demokratische Ordnung beruht. Das, denke ich, ist weit gefehlt, die Modere hat unter dem Deckmäntelchen der Befreiung des Individuums, eben nur das Kapital aus seinen Fesseln gelöst. Die Quittung zahlen wir jetzt. Deswegen mein rhetorischer Einlass (im Ausstellungsgespräch), die Postmoderne vom Kopf wieder auf die Füsse zu stellen. Letztlich richtig, wenn man der großen Entleerung wieder Substanz, vielleicht Sinn, injizieren will.
Heute in der Spätmoderne (es ist fein zu sehen, dass wir unsere Dekaden jetzt schon selbst benennen), ist der liberale Kapitalismus derart verwachsen, dass die Blüten von Nationalstaatlichkeit und innere Repression die Oberhand gewinnen. Demokratien gibt es nur noch auf dem Papier, selbst die Judikative wird vereinnahmt.
Hatte der multikulturelle Ansatz je eine Chance, war/ist Integration möglich?
Kindergarten, Schulen, nicht zuletzt die Bundeswehr waren Bestandteil von Gesellschaftsformung. Heute immer mehr in Frage gestellt durch Milieus, oder quasi-Enklaven. Wie raus aus dem Selbstschutz einzelner Gruppen. Der Bürger in Uniform (so ungern ich auch dort war – ein Maßband hatte ich nicht), war ein Mittel zur Konsolidierung auseinander driftender Pole.
Identität gibt es nicht durch plündern, oder brennende Autos. Identität gibt es nur durch eine gemeinsame Sprache und gemeinsames Handeln, über die Werte vermittelt werden. Die Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht als Vorbereitung auf kritische Zustände?
So ist die deutsche Sprache ein Wert, den es zu pflegen gilt, das kann nicht den Rechten überlassen werden. Auch nicht die Utopie. Die Deutungshoheit der Zukunft sollte in der Gesellschaft liegen, auf keinen Fall an den Rändern!
Der Bedarf an neuen Ideen, der aus der Gesellschaft als Entwurf zur Verwirklichung strebt, muss gestillt werden. Kein weiter so.
Utopie sollte auch in die künstlerischen Entäußerungen einfließen, die sich zwangsläufig entleerende Moderne (Post und Spät gleich dazu), auch Kunst als Protest, taugen nicht, eine zukünftige Welt zu gestalten, ist Kinderkacke, letztlich regressiv.
Diese bürgerliche Gesellschaft hat es doch geschafft, frei für etwas (Demokratie), statt nur frei von etwas (Faschismus), zu sein; nutzen wir das und sehen es dem Osten nach, dass ihn diese Chance nicht zugestanden wurde (eine Hälfte musste die Trauer der Unschuld tragen).
Ich gehe in das nächste Konzert und rieche den Muff unter den Teppichen – klar. Mir sind Shostakovich und Hartmann allemal lieber als Lachemann und Xenakis. Es ist die Verdrehung, das Frei von etwas, was diese Stücke schreibt, verantwortungsentzogen in die Welt hinein. Und wir im Westen griffen fröhlich zu.
Was passiert eigentlich, wenn die klassische Musik nicht mehr zur kulturellen Identifikation beiträgt. Immer mehr führt es ein gefördertes Nischendasein, ähnlich der bildenden Kunstvereins-Kunst. An hohen Kultur-Tagen kommt noch etliches an Leuten zusammen, die aber meist unmittelbar involviert sind, ich rieche das, der Stall läßt sich nicht leugnen.
Klar, Kunst für die breite Masse war nie der Plan, dafür hat man sich schon einiges an Salz aufs Haupt gestreut. Und gerade bei Beuys ist es eher die Eskapade, die ihn, innerhalb einer Bewegung, bekannt macht hat. Ich zehre von Ihm, seiner vermeintlichen Verantwortung einer vermeintlichen utopischen Strategie. Alles erlogen und erstunken. Trotz alledem Geschichtenerzähler, als artifizielles Pflaster für eine wunde Gesellschaft. Aber auch das Beispiel, dass sich reale Politik mit Kunst nicht verträgt.
Es geht um die Besetzung der Leerstellen, nicht der Lehrstellen, dieses Professorengezücht ist schon eine Bürde, da es verstaatlicht, was nicht zu verstaatlichen ist. All die Verbeamtungen?, Körperschaften müssen gewählt und abgewählt werden können, Präsidenten haben im Turnus von 8 Jahren zu gehen.
Das System der Räte ist richtig, auch wenn VW vorgemacht hat, wie man Arbeitnehmervertreter korrumpiert. Klar passiert das, der Mensch ist käuflich (warum eigentlich immer VW?).
Natürlich ist das nicht einfach, denn solange das Kapital frei fliessen kann, wird es Spannungen geben, die – wie man so schön sagt – irgendwann aufbrechen. Indem man der Arbeiterklasse den Zahn gezogen hat, die Verhältnisse von Arbeit verwischt, sich die Ressourcen der Welt aneignet hat, ist auch der Klassenbegriff obsolet geworden. Das Internationale Proletariat war in Europa, England, wie Amerika mit gleichen Situationen konfrontiert. Heute gibt es prekäre Beschäftigungen, höchstbezahlte Facharbeiter, Hilfsarbeit in dritt-Ländern. Arbeit heterogen geworden, Teile und Herrsche, pack noch ein Brot dazu, in der ‚ersten‘ Welt bitte nicht die Butter vergessen.
China schafft es, mit dem Versprechen einer progressiven Gesellschaft, die Klassenunterschiede zu verkleistern. Es ist aber nicht die Demokratiebewegung, die diese Länder gefährden, sie würden sie sogar entwickeln, aber die Parteischergen sitzen auf ihren Posten und denken allen Ernstes, dass ihre die beste aller Welten sei, weit gefehlt. Staatskapitalismus zwingt den Menschen ins Korsett. Überwachung bis zum Äußersten, was werden sie den Menschen lassen? Noch können die Widersprüche ausgeblendet werden mit einer vermeintlichen Entwicklung zum Besseren. Erfolg ja, solange man mitschwimmt. Ein Dreck!
Das ist kein Aufbruch in die moderne Gesellschaft und hier, was soll kommen nach der Spätmoderne, es gibt nicht eine Entwicklungsperspektive, die Länder haben sich im Inneren individualisiert, nationalisiert, dass ein allgemeines Bewusstsein über globale Ziele kaum noch möglich ist.
Umwelt, Pandemie etc., klar, aber es ist das freie Kapital.
Karl Marx‘ Analyse muss man nicht wiederholen, es ist alles dargelegt. Anpassen ja, die Gegebenheiten haben sich seit 150 Jahren entwickelt. Die Probanden haben gewechselt und wie Marx trefflich nachwies, hatte das Lumpenproletariat kein Chance auf Revolution. Es konnte teilhaben, aber nicht führen.
So stelle ich die entscheidende Frage: Wer kann die Menschen in eine bessere Welt führen?
Niemand.
Und gleich die zweite entscheidende Frage: Was wird passieren?
Nichts, die Welt entwickelt sich zu Ende! Vielleicht wäre Abwicklung das richtige Wort.
Und die dritte: Was weiß ich?
Ich weiß, dass da mehr ist als ich sehe. Und somit wäre ein Ende, eben auch wieder ein Anfang.
Das ewige Rad?, ich hoffe nicht, denn immer wieder Leiden (allein der Widerspruch zwischen ich und nicht ich wär schon genug), nur damit dieser Motor läuft, ist nicht mein Ziel. Inkarnation ist verpflichtend.
Vierte Frage: Was ist zu tun?
Nicht an Inkarnation Glauben, nicht an Stufen, nicht an Wiedergeburt. Und doch, wenn Geist nicht zu Fleisch wird, wer ist dann mein Nachbar?
Es geht darum, diese Welt in der Ganzheit meiner Selbst zu verlassen, das Rad zu stoppen.
Alles andere ist wie Gras.

Urteil und Handlung

Gerade entdeckt man jenseits des Atlantiks, was Europäer unter Solidargemeinschaft verstehen. Eigentlich ist das nicht kompatibel mit dem us-amerikanischen Wertekompass, denn die vermeintliche Freiheit der Entscheidung, ob man von einem Sozialsystem aufgefangen wird oder nicht, ist viel grundlegender. Es betrifft die nationale Befindlichkeit, das Sein an sich. In Notzeiten wird in Amerika gespendet, man bleibt Herr seiner Entscheidung, nicht zuletzt, wohin das Geld fließt. Tue Gutes und rede darüber. So kann ich Trump verstehen, dass er Covid 19, wie eine Grippe, durchwinken wollte. Es entspricht dem American Way, aber vielleicht nicht die 100.000 möglichen Toten.
Angesichts dessen muss sich die EU als Nationalstaatenverbund solidarischer zeigen und Corona-Bonds zeichnen, um Italien und Spanien schnell zu helfen, wer sonst soll unsere Waren kaufen. China steht zeitversetzt in ähnlichem Dilemma, es nutzt nicht viel, die Produktion hochzufahren (auch wenn man sich dabei gut darstellen kann), letztlich muss es jemanden geben, der diese Waren abnimmt. Dafür braucht es einen starken Binnenmarkt; klar, der wächst in China, aber er kann bei weitem nicht kompensieren, was der Ausfall Europas und der USA für diese Produktion bedeutet.
Andere Länder woll(t)en das Virus ausschwitzen, Schweden gehörte dazu. Nun gibt es eine Umkehr, in Betrachtung der Zahlen, ein überfälliger Schritt. Deutschland mit 83 Millionen Einwohnern hat 128.000 Infizierte, 3.000 Tote; Schweden mit 10 Millionen, 10.500 Infizierte und 900 Tote. In Deutschland ist 1 Mensch von 27.667 gestorben, in Schweden jeder 11.111. Die Mortalität ist weit mehr als doppelt so hoch, bei einem Land mit ähnlich sozialen wie industriellen Standards, nur mit anderem Herangehen.
Aber Vorsicht, auch in Deutschland weicht die Konsequenz auf. Unter dem Motto: ‚Man wird doch wohl noch mal vor die Tür gehen dürfen‘, üben viele den sozialen Ungehorsam. Zu viele?, ich denke, es ist komplexer.
1983 sah es für den russischen Oberstleutnant Stanislaw Petrow so aus, als würden die Amerikaner sein Land atomar angreifen. Er hätte sofort die unwiderrufbaren Gegenmaßnahmen einleiten müssen und wurde für seine Unterlassung, die uns die gegenseitige Vernichtung erspart hat!, weder belobigt noch bestraft. Ein Held, wenig bekannt.
Jede Entscheidung des Einzelnen ist relevant, in der einen, wie der anderen Richtung, doch was ist richtig?, sicher die Verantwortung für das eigene Handeln.
Auch Snowden ist nicht gesellschaftskonform im Sinne der Staatsorgane der USA, aber er konnte veröffentlichen, mit dem Effekt, dass sich die Relevanz seiner Aussagen entstaatlichten, menschenwürdig wurden und auf das eigene Land eine positive Wirkung haben. Hochverrat ist eine Sache auf schmalstem Grad, auch wenn dem nationalen Recht zuwiderlaufende Handlungen aufgezeigt werden.
In Zeiten von Corona sollten wir nicht als Einzelner über richtig und falsch entscheiden (urteilen schon), wir leben in einem Rechtsstaat, der sich jetzt zu beweisen, seine Bürger zu schützen hat. Darum tragen wir unsere Waffen nicht am Gürtel, haben die Exekutive wie Judikative dem Staat überantwortet. Wir wählen unsere Vertreter, die in der Legislative beschließen, worüber gerichtet werden muss.
Geht das alles zu weit, sollten, oder müssen die Freiheitsrechte – wie die der Versammlung – eingeklagt werden? Ich denke nicht und versuche dabei keiner Verschwörungstheorie anheim zu fallen. Denn das Interesse dieses Staats ist nicht den Bürger zu drangsalieren, zum ersten Mal kann er sich mütterlich zeigen, die Brust geben, soziale Verantwortung, über alle Schichten hinaus, übernehmen. Natürlich bleibt das Interesse der Wertschöpfung – daran kann es keinen Zweifel geben. Wir leben in einer freiheitlichen Demokratie, mit spätkapitalen Strukturen. Nun müssen wir uns selbst beweisen, dass wir fähig sind, Demokratie zu leben (nicht zu wagen!).
Häusliche Gewalt gehört bestimmt nicht dazu; Gewalt gegen Andere ist a priori nicht hinnehmbar, außer sie ist rechtsstaatlich legitimiert.
Wachsamkeit – ein unerlässliches Mittel in diesen Tagen; was reicht, um seine Meinung vertreten zu sehen? Entscheidungen müssen transparent gefällt werden, Bürger per Online-Petitionen Einfluss gewinnen, dürfen nicht von Entscheidungen ausgeschlossen sein. (Bei der Stimmabgabe vor knapp 2 1/2 Jahren ist der Kopf ja nicht mit abgegeben worden.)
Richtet Foren ein, lasst uns den digitalen Weg ebnen. Eine Wahl unserer Vertreter muss Online gewährleistet sein, denn nichts ist schlechter, als eine ausgefallene Wahl, nach der man sich kommissarisch behilft und mit Verordnungen regiert. Das wäre Entmündigung! Die Regierung darf sich nicht gefallen in der Position des Managers, der die Krise schon im Griff hat, alles muss verifizierbar bleiben und wählbar! Ansonsten nehmen die Therorien des Virus vom anderen Stern zu, noch mehr Zoppo Trumps drängen an die Macht.
Somit ist die Einschränkung des Versammlungsrechts die wohl bedeutendste Maßnahme einer bundesrepublikanischen Regierung, nur sollte auch eindeutig kommuniziert werden, dass hier in das höchste Gut unserer Gesellschaft eingegriffen wurde.
Es rechtfertigt sich nur durch Zustimmung, nicht durch Verordnung!

cesare

… vor 15 Minuten hatte ich Giulio Cesare von Händel aufgelegt, jetzt läuft Bruckners 7., Günter Wand (1980).
Hey, Gulio Cesare dauert 4 Stunden, warum der Wechsel? Normalerweise hüpfe ich nicht von CD zu CD, höre ‚durch‘, habe Wagner-Training und denke, dass sich erst in der Gesamtheit so etwas wie ‚Wahrheit‘ ahnen lässt. Anton Bruckners 7. dauert 64 min (gut, je nachdem wer es spielt), Mahler hat das absolut übertroffen.
Ich schweife.
Nach der kleinen Ouvertüre der Chor, dann die wunderbare Arie des Cesar, Achilla, etc. Ich nehme das große Booklet (von 1991; da gab’s noch umfangreiche Information, die man sich heute aus dem ‚Second Screen‘ holen muss) zur Hand, fange an zu lesen.
Upps,
welch eine Unsäglichkeit des Dramas.
Könige, Königinnen und deren Adlaten streiten sich wie törichte Kinder um ihr Spielzeug, eben nur mit tödlichem Ausgang für einige der Probanden.
Sei’s drum. Es interessiert mich nicht, nicht die Bohne!
Nur, diese Musik, die mich kurz zuvor noch berührte, stirb ab, erstarrt, zerbricht an der Nichtswürdigkeit ihrer Erzählung. Das Erhabene kann am Inhalt zerbrechen, oder ist das Wort – obwohl weltbildend – schon immer Ausdruck der Hilflosigkeit? Rembrandts beste Bilder handeln von Christus, Glauben, den großen Erzählungen, oder ist es wie bei Rubens‘ Gemäldezyklus für Maria de‘ Medici im Louvre, eine Könnerschaft von Farbe und Form, wobei nicht ein inspirierender Funke geistiger Nahrung überspringen will?
Schönheit ergibt sich nur dem Wort, wenn es nicht getrennt vom Bild, sondern Bestandteil seiner Ästhetik, ist. Es kann nicht aufgesetzt, oder zugefügt werden, es wird ‚in der Kunst sein‘ müssen, meint so den erweiterten Kunstbegriff und natürlich fällt mir sofort [wieder] Beuys ein; für mich einer der Wenigen, die das Erbe der zweiten Hälfte des 20. Jhds repräsentieren, Polke nehme ich gleich mit.
Jetzt die 6. Symphonie von Erkki-Sven Tüür (2010).

Was uns bewegt ist das Drama,
was uns bleibt ist die Entäußerung

Auf einen schmalen malerischen Grad gestellt, wird jedes Menschenbild, jeder Gegenstand, existenzialistisch, jedoch wird eine gemalte Erzählung (z.B. Das Floß der Medusa) noch lange nicht existenziell, es wird geschildert, erklärt, beweisen. Das Bild geriert zum Drama, aufgeführt im Moment der Reflektion. Dagegen erzeugt das malerische Schlachtfest eines de Koonings (Woman 1–) neue Wirklichkeit, erregt neues Sehen, bei dem der Gegenstand Anlass wird, der die Sicht auf das Material lenkt, das Abbild in neuem Licht erscheinen zu lassen. Das ist Warheit in der Malerei.
Entfernt sich dieser Dialog, entsteht Leere, die sich nur noch auf sich selbst beziehen kann: keine Oszillilation zwischen Setzung und Abbild, kein Netz der Bezüglichkeit mit dem Außen, kein Strich des unbedingten Willens zur Korrespondenz über die Leinwand hinaus.
Heisenberg, Unschärfe – ich denk, das gilt immer noch.

… unsere Sicht auf die Welt ist eine interpretatorische. Wir wissen, dass da was ist, wissen aber nicht, was es ist. Wir können mit unseren Annahmen jonglieren und kommen innerhalb unserer Grenzen auch zu zählbaren Ergebnissen. Jede Aktion zeigt Wirkung, die wir als Zusammenhänge unserer engen Bandbreite erleben, die uns Erfahrungen auf der Oberfläche des angenommenen System machen lassen, die wiederum nutzbar sind: Eine Spirale des Wirkzusammenhangs und der Grund, warum wir neugierig um die nächste Ecke schauen. Die Qual der Entwicklung, die Vertreibung aus dem Paradies, das sich Aussetzen im evolutionären Ranking.
Allein durch unsere Anwesenheit – der sich nähernden Monokultur des Humanoiden – verbrauchen wir Ressourcen, die den Bestand, gerade auch unserer Art, limitiert. Beschleunigender Grund dabei ist das Kapital, das auf Nichts und Niemand Rücksicht nimmt, nehmen kann, zu sehr ist es mit seinem (systemimmanenten, räuberisch-notwendigen) Wachstum beschäftigt. Seine Potenzen einer dynamischen Entwicklung sind aufgebraucht.
Alle Utopien sollten neu gedacht werden. Zu sehr klammern wir uns an das alte Leben, glauben an die Schöpfung, den Urknall. Dieses Leben wird den Kuipergürtel nie durchfliegen, keine fremde Welten sehen.
Unser gesamtes Handeln, das technisch Machbare, folgt (auch unbewusst) dem Seienden: Auge = Linse, Blutbahnen = Verkehrsadern und Leiterplatten, Vorratshaltung = Cache usw. Wir stellen fest, das Alles mit Allem zusammenhängt, Ideen nur Auslegungen von Annahmen sind. Sind WIR zwangsläufig, wird die KI zwangsläufig, oder ist alles ein Spiel von Energie, die den innenwohnenden Geist zum Vorschein kommen lässt? Wenn unsere Welt Bild ist, könnte man meinen, dass im Sein Vergehen die Zwangsläufigkeit ist.
Geist ist nicht Gott, der ist eine der großen Erzählungen, die Menschen zu beruhigen, wenn die Fragen weiter gehen, als die Antworten ihrer Zeit reichen. Nur Erkenntnis schafft den Raum, sich seiner selbst bewusst zu werden. Im Anfang (gute 200.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung) war das Wort. Heute nach 12.000 Jahren Sesshaftigkeit und Formung, sehen wir uns gespiegelt, artifiziell ist selbst der mitteleuropäische Wald, in dem wir spazieren gehen. Diese uns umgebende Blase menschlichen Tuns ist der eigentliche Grund unserer Depression; nur noch scheinbar gelingt es, zu regenerieren, zu eng haben wir uns eingekreist, die Wahrnehmung des Unfaßbaren ist auf ein Minimum geschrumpft. Ersatz bieten virtuelle Felder des Grauens, bei denen gestorben und getötet wird, ohne je eine Verantwortung übernehmen zu müssen; selbst der Traum wird seiner Wirkung enthoben.

Aus dem Chaos haben wir die Welt geordnet. Diese Ordnung ist – Kraft des Geistes, den wir nur geliehen haben – das Licht, einige Stellen im Dunkel zu erhellen. Nach dem Tod entgleitet uns diese Kraft und fließt in den Pool zurück. So lebt der Mensch nicht um glücklich zu sein – er lebt, um sich in seiner (selbstreferenziellen) Ordnung zu entwickeln, er bemüht sich Übersicht zu gewinnen, den ‚großen Plan‘ zu verstehen und solange er denkt, eine Zukunft zu haben.
Wie lange ist es 24 Uhr?,
und ist es zu spät, wenn wir den Tod besiegen?
Wir sind, wir sind nicht, sind wir darum viele?
Es ist und ist nicht – immer zugleich,
Multiversien verstehe ich eher als Backup – nur der jeweilige Unterschied wird gespeichert.
Letztlich kommt es auf nichts an, außer das es genau darauf ankommt.

Verschiedene Sichtweisen einnehmen, sich bewegen, aktiv werden. Kunst sollte wieder Teil eines breiten gesellschaftlichen Lebens werden, so einfach ist man bei Beuys, in dessen Werk diese Elemente sicher verarbeitet worden sind, oder Van Gogh, dessen Werk existentiell und strukturell im Einklang liegt. Was bei Adolphe Monticelli aufbricht und bei de Kooning seinen gegenwärtigen Halt fand, ist bei Van Gogh die Quadratur des Kreises (ich habe lange gebraucht, es zu verstehen).

Stadt will Ordnung*

Gestern hat mich ein junger Polizist, nach einem Sprint quer durch das halbe Viertel, vor meiner Haustür, gestellt. Ich habe bei Reve nichts gestolen, noch einen Passanten umgefahren. Ich bin mit dem Fahrrad bei Rot über die Straße! Zuerst schaue ich nach links, dann nach rechts, kein Fahrzeug bis zum Göttinger Kreisel, kein Fahrzeug bis zur Überführung – und – keine Kinder in der Nähe.
Mit flottem Tritt nach Haus, vor meiner Eingangstür erreicht mich schnaufend ein junger Polizist: Ich möge mein Rad abschießen (ich sage: hier wird nicht geklaut!) und in Richtung seiner Kollegin? mitkommen. Er fragt, ob ich weiß, warum ich angehalten wurde – ich verneine. Die rote Ampel, auha! Nicht das ich denke, es ist Unsinn, aber sage, ob sie denn nichts bessseres zu tun hätten, inzwischen war die Kollegin mit dem Wagen eingetroffen.
Erfolgreiche Jagd, den Sünder gestellt, Hut ab. Wegen meiner Bemerkung wird aus einer Verwarnung ein Bußgeldbescheid, 88,50 €.

Das Problem sind nicht diese jungen Polizisten, sondern ihre Einschätzung der Verhältnismäßigkeit und wie daraus eine ‚Den Schnappen Wir Uns‘-Aktion wird.
Es ist mein Viertel, ich bezahle deren Jobs (die oft schwer genug sind), mein Gott, sollen sie mich doch verwarnen, stünden sie neben mir, aber ein Sprint durch das halbe Viertel (mit dem Wagen durch die engen Straßen); wollte er seiner Kollegin imponieren? Das Üble daran ist, dass sich so die Notwendigkeit der Anwesenheit von Polizei relativiert. Es geht um Augenmaß.
Dieser Strafzettel wird kein Problem, ich habe schon für anderes bezahlt, auch zu recht, aber hier fühlt man sich gegängelt, was die Spaltung in der Gesellschaft nur noch weiter voran treibt. Polizisten machen sich zum Wärter der Ordnung, wo sie nur die Hüter sein sollten.

* Überschrift aus dem Wochenblatt der HAZ vom 23.10.2019 in Hannover

Über Punkt Null

Ein Präsident redet wieder davon, die Freiheit im Nahen Osten verteidigen zu müssen. Wenn man nicht wüsste, dass alle Kriege seit dem 2ten Weltkrieg, provoziert, unter Falschmeldungen propagiert und letztlich verbrecherisch geführt worden sind, ist das Verständnis des Landes jenseits des Atlantik bei mir auf dem Null-Punkt. Unsere vermeintlichen Befreier, noch geschockt von den Konzentrationslagern, haben im gleichen Zug Atombomben auf Hiroschima und Nagasaki geworfen – ein Kriegsverbrechen – ohne unsere relativieren zu wollen. Diese Nation entschuldigt sich nicht, nicht für Japan, nicht für Korea, nicht für Vietnam, und nicht für den Irak. Lüge, Trug und Mauschelei – inzwischen alles bewiesen!
Und was setzt der Koch heute auf die Speisekarte: einen gesottenen Mullah auf Sumach?
Nicht erwähnt Afghanistan und Syrien, so haben sie den ganzen Gürtel Süd- und Kleinasiens mit Verwüstung überzogen, übrig sind Palmyras Schutt und Erbils Asche, Amerika ist weit weg und Fracking eine gute Methode, wenn Öl knapp wird.
Aber mit dem kleinen Tyrann ist gut reden, zwei Kumpels auf Augenhöhe, weil sie auf dicke Hose machen können. Was erlaubt sich dieses Land, eine Welt nach seinem Gusto zu stricken. Da wird der Holzhammer rausgeholt und auf Staaten, die sich erstmal nicht wehren können, draufgeschlagen. Also, habe die Bombe und Du sitzt mit am Tisch – was für eine Botschaft.
Die Mullahs sah ich 1978 als Möglichkeit Welt anders zu gestalten (genau wie die Sowjetunion 1917). Nun möchte der aufgeschwungene Weltpolizist dieses Experiment beenden. Mit welchem Recht (außer dem des Stärkeren) versucht die USA die Geschicke von Ländern zu leiten/wenden, nur weil es die militärische Macht dazu hat. In ihren Filmen hagelt es nur so von Gewalt und entgrenztem Leben. Was wird da vorbereitet? Selbst ungerechtfertigte Kriege dienen mit individuellen Schicksalen noch ihrem Patriotismus. Die Kultur als Steigbügelhalter – sicher, zumal es in den USA fast nur jüdische Kultur gibt, sehen wir ab von den Künsten der Natives und der Musik der Schwarzen.
Ich mag die Regierung der Mullahs nicht, ich mochte die Sowjetunion Stalins nicht, aber ich bin für Experimente, Welt unter neuem Weg zu gestalten, andere Möglichkeiten zu suchen, als die nur Gewinnbringenden. Da muss es Wachstum geben, es wird erzwungen, damit das Kapital weiter Rendite macht. Abgeleitet von der Natur: Was nicht wächst, ist zum Scheitern verurteilt. So zeigt sich Welt nur unter den Voraussetzungen der newtonschen Physik. Ein Apfel fällt zu Boden, der Kern entwickelt sich zum Trieb, wird ein Setzling, wird zum Baum. Das ist der Schein, und weil es der Schein ist, sollte Religion durchaus die Chance haben, diese Welt zu erklären und zu gestalten – natürlich sind das andere Grundlagen, als die vermeintlich säkular gegebenen und wer möchte schon das Mittelalter zurück.
Der allererste Akt eines Staates (zur Gewährleistung des äußeren und inneren Friedens) ist seine Bewaffnung. Das ein anderer Staat genauso denkt, hat der erste Weltkrieg bewiesen. Keiner konnte, wollte aus dem Zug steigen, der langsam Fahrt aufnahm, weil es bequemer ist, sitzen zu bleiben, die Landschaft an sich vorbeiziehen zu sehen, als aufzustehen und zu diskutieren, die Grundlagen zu analysieren.
Runter von diesem Gleis, neue Gemeinsamkeit erfühlen. Vom Klima bis zu Ökonomie, umspannende Lösungen müssen gefunden werden, die das Kapital nicht einflüstern darf. Uns selbst befreien – neu denken. Nicht nur was groß ist, hat Gewicht!
Au, welch ein Zetern, wenn man doch auf die eigene Geschichte schauen kann. Aber in Ansätzen haben wir es in Europa geschafft – Freizügigkeit, Pressefreiheit, Individualität. Müssen wir jetzt aus gegebenen Umständen die Grenzen wieder dicht machen und aufrüsten, um mit den ganz Großen zu spielen? Wir sind die großen, Europa ist der stärkste Wirtschaftsraum der Welt, aber langsam gehen uns die Ideen aus, halten zu lange den Atem an, halten zulange am Alten fest.
Ein Teil denkt da anders, aber müssen wir alle Erfahrungen mehrmals machen, muss Abel immer wieder erschlagen werden, um voran zu kommen. Entwicklung – Zeit des Gewinns und der Verluste, was wiegt schwerer. Vielleicht der Neid, es selbst im großen Maßstab nicht noch einmal wagen zu wollen. Leben müssen. Wir haben die Welt kolonialisiert, europäisiert, funktionalisiert, nach unserem Bild gestaltet, die USA schwangen sich als Erbe auf, zum Polizisten mutiert.
Noch einen Sieg dürfen wir nicht gesatten.

Kunst die sich verkauft, ist a priori noch keine gute Kunst. Kunst die sich nicht verkauft, ist a priori noch keine gute Kunst.

Allerdings ist der Spagat, dass Kunst erst zur Kunst wird, wenn sie im öffentlichen Diskurs steht, wobei ein Verkauf durchaus förderlich sein kann. Der eigentliche Knackpunkt ist, dass jegliche Entäußerung eines Künstlers zur Ware mutiert. Nicht ganz einfach, aber wir leben im Kapitalismus, wobei alles, was zur Veräußerung steht, zur Ware wird. Die Gesetzte der Ware sind von Marx differenziert dargelegt, das Problem ist das gleiche, auch wenn es um Malerei, Skulptur, Installation, oder die neuen Medien geht. Findungen verdunsten im Rauch des verbrannten Geldes.
Freiheit im Markt findet nur ganz oben, außerhalb, oder am Rand statt, alles andere strampelt sich ab, läuft seinem Gewissen hinterher. Auf den Messen sehen wir den Versuch, mit Geld mehr Geld zu machen. Der Wert verschiebt sich vom inhaltlichen Gewicht zur pekuniären Vergleichbarkeit. Auf der anderen Seite wird an diesen tristen Orten Kunst gezeigt, die noch augensinnlich wirken darf.
Hier tat sich eine Lücke auf, in die die Kunstvereine gesprungen sind, sie zeigen die alternativen, raumgreifenden Arbeiten von Künstlern, die natürlich auch schon verkauft haben dürfen/sollen. Als freie Show, bis hin zu regionalen Verantwortung, in der Bürger sich engagieren, ist die Kunstvereins-Kunst fast ein eigenes Genre geworden.
In vielen der Fälle von Frauen geleitet, ist über Jahre ein Bild entstanden, das das scheinbar Geistige destilliert und an die Wand bringt. Weniger ist mehr kann aber nicht immer stimmen, aber auratisiert die Positionen. Viel Platz für eine kleine Geste, nimmt den Schmerz am Poveren.
Um nicht in den Verdacht eines, wie auch immer gearteten, Feminismus zu kommen, wird das Weibliche unterdrückt, was nicht heisst, dass keine Frauen ausgestellt werden, es geht eher um eine schleichende Entsinnlichung, zugunsten einer Problematisierung des sozialen Umfelds – ist zur politischen Veranstaltung geworden, die auch Verantwortung übernommen hat, bis zu dem Grad, das Sinnlichkeit in den Verdacht des Reaktionären gekommen ist.
Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.
Es treiben seltsame Blüten auf beiden Seiten, der eine Betrieb entschuldet den anderen.
Die Richtschnur wird mir fremd – liegt wohl am Alter.

ἀποκάλυψις

Jeder Blick ist unmittelbares und mittelbares Sehen zugleich, … ist eine offene Welt, Farben und Formen kennen keine Gestalt, definieren ein Sein ohne Sinn, … ist mit Worten behaftet, konstruiert eine Welt nach der Welt in der Welt, die eine Ansicht gebiert, die den Inhalt des chaotischen Feldes ordnen hilft.
Wirkzusammenhang unseres Bewußtseins, welches sich nicht aus dem Raum entfernen kann, den es beschreiben möchte. Was bleibt sind Projektionen und Analysen des Gegebenen, die Ansicht wird zur Beschreibung!
Im Anfang war das Wort.
Die Schöpfungsgeschichte als notwendige Erzählung, das Unmittelbare von dem Mittelbaren zu scheiden. War das Wort im Anfang?, oder versucht es nur die Kluft der Menschwerdung zu schließen?, das bezügliche Dasein, die Lösung vom Ganzen – die Vertreibung aus dem Paradies.
Sehen ist immer gegenwärtig, jedoch führt der (die) Gegenwart ein hartes Regiment: eingesetzt als Wächter einer möglichen Welt, hat er (sie) sich zum Wärter aufgeschwungen, die Beschreibung zu fixieren, ein Verschleiern* des Jetzt.
Mit Worten gegen eine Wand von Worten, gebaut in Jahrtausenden – vielleicht sind Trompeten die bessere Wahl.

* Apokalypse (griechisch ἀποκάλυψις „Enthüllung“, wörtlich „Entschleierung“ vom griechischen καλύπτειν „verschleiern“, im Christentum übersetzt als „Offenbarung“)

… sitzen bleiben ist keine Option

Es ist doch die Frage, ob die Demokratie, als praktiziertes politisches Nachkriegsmodell, insgesamt in Frage gestellt werden muss. Das der sozialistische Entwurf nur bedingt funktionierte, hat die Sowjetunion, heute China, bewiesen.
Was also könnten die Ideen einer (neuen) Linken sein?
Was sollten deren Ziele sein?
Was die Utopie?
Sozialreformen würden (wieder) nur ein System erträglicher machen, dass allein dazu taugt, die Reichen noch Reicher zu machen.
Solidarität als erstes Prinzip. Eine Ethik, die Klassen wieder sichtbar werden lässt, dass Bewusstsein entsteht, dass ein Selbst wieder im Rahmen seiner Existenz definiert werden kann. Dazu muss die Unterdrückung nicht zunehmen, es nicht noch weniger Lohn geben.

Es ist diese korrumpierende Lebensart, in der sich eine Ausnahme-Arbeiterschaft gebildet hat, die die Welt mit ihren Reisen und Individualverkehr an den Rand, des jetzt zu spürenden Wandels, gebracht hat. Diese Arbeiterschaft hat nichts mit dem Mindestlohn, oder zu niedrigen Renten zu tun, sie wurden gemästet, um zu Spalten.
Kollegen aus Italien, Portugal und später der Türkei wurden eingestellt, den unteren Lohnbereich, mit einfacher Fabrikarbeit, zu schließen. Heute sind es Migranten, die im Niedriglohnsektor arbeiten. Da sie nicht (wie früher) in Fabriken arbeiten, können sie sich nur schlecht organisieren. Die Beschäftigungen sind individualisiert: Fahrer, Pfleger, Boten, alles Dienstleistungen – größere Spannungen, im Rahmen einer Bewegung, sind nicht zu erwarten.

Also geht es um Solidarität, eine Welt zu teilen, die nicht unsere ist. Das kann schon als Großzügigkeit reklamiert werden, die es gar nicht geben dürfte, aber die einzige Möglichkeit zu sein scheint, die europäische Leesart von Leben an den Tisch zu bekommen. Die Linke wurde mit einfachen, süffigen Parolen der Sozialdemokratie (mehr Demokratie wagen) aufgesogen. Das geht leichter, als mit durchdachten Analysen, die auch noch konkrete Arbeit verspricht; zumal die historische Erfahrung zeigt, dass sich Klassenbewusstsein nicht unbedingt von selbst entwickelt: Bürgerliche Intellektuelle, analysieren, geben Hinweise, veranlassen zur Struktur und Organisation, um nach vollzogener Wandlung, ihren Lohn einzufordern. Es wird sich an Privilegien, die notwendigerweise gewährt worden sind, geklammert. Die Rechtfertigung für einen Dienstwagen ist gar nicht so leicht zu finden.

Gleiche Mühle, gleicher Trott, immer wieder anrennen für den vermeintlichen Wandel. Der Grundwiderspruch kann heute nicht nur von Arbeit und Kapital abgeleitet werden, sondern ist allgemeiner: der von Gegenstand zu Widerstand – wo ich bin, kannst Du nicht sein. So ist die Einsicht zur Solidarität die Leistung des 19. Jahrhunderts, die Arbeiterbewegung war/ist international – muss(te) international sein, leider war 1914 alles vergessen.
Der Verrat an den Räten noch einmal?, Rosa Luxemburg noch einmal erschießen lassen? Noske konnte die Weimarer Republik nicht vor dem Nationalsozialismus bewahren.

Unsere Gesellschaft ist zersplittert, jede kleine Bewegung sucht ihren Weg, hält fest am Status quo. Nach 80 Millionen sollen 7 Milliarden zu Verbrauchern erzogen werden, weil das Kapital damit die besten Gewinne macht. Mit diesem horrenden, aufgepfropften Verbrauch entziehen / vermüllen wir unsere Lebensgrundlagen und die der späterern Generationen. Unwiederbringlich wird geplündert, diese Ressourcen wachsen nicht mehr nach.

Es bleibt nur die Einsicht, das der Weg zum Glück nicht offen liegt. Vielleicht im Versuch solidarisch zu sein – der letztlich mit Verzicht beginnen muss.
Was kann ich drangeben?, gegenüber dem Facharbeiter in Wolfsburg. Hilft mein Handeln ihn siegen zu sehen, sich als Teil einer unmenschlichen Maschinerie zu fühlen, sich wieder seiner selbst bewusst zu werden – Teil eines Ganzen zu sein?
Wirken die gescheiterten Versuche so gravierend nach, dass keine Hoffnung auf Wandel besteht? Muss erst die Vision Johannis’ Gestalt annehmen, mit Flüssen, die über die Ufer treten, mit Brot das verfault, mit Bergen, die ins Meer stürzen und Kindern, die siechen?
Die Bereitschaft sich mit diesen Themen auseinander zu setzen ist wohl zu spät, wenn die Apokalypse ihren Lauf genommen hat und Diskussionen um verpasste Chancen obsolet geworden sind.

Glauben müssen an die Unausweichlichkeit einer Tat, die den Anfang markiert.
Aufstehen! Direkte Demokratie leben.

Idee(n) einer möglichen Zukunft sollten sich fragmentieren dürfen; in kleinere Ziele, die sukzessive erreichbar sind. Das Kapital wird abgeschafft! Sicher hat das was mit Sozialismus zu tun, ist aber kein Übergangsstadium, bei dem Entbehrungen alltäglich sind, um in das ‚Goldene Zeitalter‘ zu gelangen. Es ist eine Glaubensfrage des Handelns, nicht die der Utopie.
Jedoch der Widerspruch des Einzelnen zur Einheit im Gesamten wird bleiben. Immer wieder werden daraus Probleme erwachsen, mit denen wir uns seit Jahrtausenden rumschlagen, aber es ist genau dieser Widerspruch, der uns zu Menschen macht.

Die Summe der Scherben

In der ausgeführten Postmoderne war für mich die Entseelung des einzelnen Elements zu konstatieren, die in Zusammenschau sicher notwendig geworden war, um eine Homogenisierung des Gesamten zu gewährleisten.
Malerei ist für mich ein Mittel, kleine Erzählungen an den richtigen Nagel zu hängen. Sicher gibt es in meinen Bildern formale wie strukturale Tendenzen, dränge sie aber zugunsten von Bedeutungsfeldern zurück. Ich arbeite der Sinnentleerung des Bild-Elements entgegen, lade es mit Bedeutung auf, die sich knapp aus der Struktur enthebt. Das ist kein Fortschrittsoptimismus, aber ein Zurück zur möglichen Utopie, ohne gleich Ideologie zu werden und stelle die sog. Postmoderne vom Kopf auf die Füsse.

Die Werke evozieren Sehnsucht. Dies geht nur mit Elementen, die außerhalb meiner/unserer Zeit liegen. Angefangen bei der Malerei, aber auch der Geschichte darin, ist es ein Symbol über den Verlust an Werten und Ressourcen, die so nicht mehr zurück zu holen sind. Ich spreche nicht von einem ‚geworfen sein‘, sondern von einem Gestaltungsende: auf der einen Seite die Möglichkeit uns selbst in die Luft zu jagen, auf der anderen der rasante Verbrauch aller Ressourcen, einhergehend mit einem Verfall von Werten. Das daraus resultierende Vakuum wurde vom Kapital kompromittiert, wir haben uns zu Verbrauchern degradiert.

Bilder wie ein gebrochener Spiegel, vielleicht Kaleidoskop, die versuchen keinen neuen Entwurf zu präsentieren, sondern als Summe gesehen werden wollen. Ich male mit dem Zweifel und der Gewissheit des Scheiterns, um im Ergebnis noch einmal den Augensinn zu betören, gleichzeitig mit offener Struktur, die das Werk erfahrbar werden lässt und fragt: wie weit muss ich zurück, um noch einmal zu verlieren, was schon verloren ist. In letzter Konsequenz – das Paradies.
So lege meinen Finger in die wunde Stelle außerhalb des Bild-Systems, muss aber innerhalb um eine Antwort ringen. Das wird zum Programm, ein Programm, das sich selbst zersetzt, zersetzen soll, denn Widerstand – die erste Erfahrung des Menschen – wird zum Gegenstand, löst sich aus dem System, in das der fragmentierten Idee.