Akzeptanz

Ich habe an die Ordnung geglaubt, bin dort hineingeboren (1954) und darin aufgewachsen. Man sollte annehmen, dass im 2. Weltkrieg – mit der größten Unmenschlichkeit, die je stattgefunden hat – ein System die Menge an Blut gelassen hat, die es gereinigt wieder auferstehen lässt. Weit gefehlt, Adam und Eva sind dem Paradies verwiesen worden, Kain hat seinen Bruder erschlagen und wird, sooft sich die Geschichte wiederholt, es immer wieder tun. Friede auf Erden nur für Sekunden.
Trauer überlagert den Gedanken. Wohin der Blick sich auch wendet, feiert die Ungerechtigkeit ihren Triumph; als würde nur der Mensch, der sich mit allem Wille bereichert, noch eine Chance haben; das stärkere Prinzip gewinnt, die Grundlage unseres Zusammenlebens geht verloren.

Die Selbstreflektion hat aber nun ein Ende dergestalt, dass sich die Leitdiskussion still verschiebt. Galt noch vor ein paar Jahren die bildende Kunst als das Maß der Dinge, mit ihrem Anhang an Philosophen, Kunsthochschulen, Museen und Galerien, hat dies leise gewechselt.
Texte werden von mehren Leuten, an verschiedenen Plätzen, zur gleichen Zeit, geschrieben, Wikipedia wächst zum größten Lexikon, Google wird zum Synonym der Onlinesuche. Jeder kann teilnehmen, auch wenn die unmittelbare Verständigung darunter leidet. Arbeiten im Netzwerk mit Freunden und Kollegen, Treffen im Chat, Diskussionen, Austausch, alles möglich, Dank dem Netz, das unsere Häuser und Straßen, Länder und Meere durchzieht, eine gesellschaftliche Umwälzung; die neue Verbundenheit im wahren Sinne des Wortes, eine Vernetzung über alte Grenzen hinaus. Die Medienmacht, ausgehend vom Buchdruck der Bibel, wird zum Fischernetz, vom Staat bis zum Hacker, die Maschen sind so dünn geworden, dass die Freiheit des Einzelnen darin hängen bleibt.

Dabei ist die Kunst ist zum Schoßhund verkommen, der gut gefüttert und allmählich etwas fett geworden ist; die Zähne längst verloren, gibt es nur noch Weiches zu fressen. Aber ab und zu ein Stück Schokolade ist wirklich nicht schlecht. Zu wenig Bewegung wird ihn früher sterben lassen, damit kann man leben.

Die Vorstellung, dass Heisenberg* Van Gogh zeitlich näher steht als mir, erfüllt mich dann doch mit Schrecken, was haben wir gelernt, was haben wir erreicht? Humanismus ist ein hohles Wort und in unserer Zeit missbraucht, sinnstiftend war es wohl noch nie.

‚I woke up this morning and a rainbow fits the sky‘ Jack Johnson

* Im Jahre 1927 unterbreitete Werner Heisenberg seine Unschärferelation, die erstaunlichste Transformation von Weltsicht, die die neue Physik hervorgebracht hat. Sie ist bestimmt von der Erkenntnis, dass das Bewusstsein im sogenannten physikalischen Universum eine entscheidende Rolle spielt. Vereinfacht stellte Heisenberg die These auf, dass der Beobachter das zu beobachtende Objekt verändert, und zwar durch den reinen Akt der Beobachtung. Die Vorstellung von der Welt „da draußen“ als ein von uns getrennter Teil, musste aufgegeben werden.