Stadt will Ordnung*

Gestern hat mich ein junger Polizist, nach einem Sprint quer durch das halbe Viertel, vor meiner Haustür, gestellt. Ich habe bei Reve nichts geklaut, noch einen Passanten umgefahren. Ich bin mit dem Fahrrad bei Rot über die Straße! Zuerst schaue ich nach links, dann nach rechts, kein Fahrzeug bis zum Göttinger Kreisel, kein Fahrzeug bis zur Überführung – und – keine Kinder in der Nähe.
Mit flottem Tritt nach Haus, vor meiner Eingangstür erreicht mich schnaufend ein junger Polizist: Ich möge mein Rad abschießen (ich sage: hier wird nichts gestolen!) und in Richtung seiner Kollegin? mitkommen. Er fragt, ob ich weiß, warum ich angehalten wurde – ich verneine. Die rote Ampel, auha! Nicht das ich denke, es ist Unsinn, aber sage, ob sie denn nichts bessseres zu tun hätten, inzwischen war die Kollegin mit dem Wagen eingetroffen.
Erfolgreiche Jagd, den Sünder gestellt, Hut ab.

Das Problem sind nicht diese jungen Polizisten, sondern ihre Einschätzung der Verhältnismäßigkeit und wie daraus eine ‚Den Schnappen Wir Uns‘-Aktion wird.
Es ist mein Viertel, ich bezahle ihre Jobs (die oft schwer genug sind), mein Gott, sollen sie mich doch verwarnen, stünden sie neben mir, aber ein Sprint durch das halbe Viertel (mit dem Auto durch die engen Straßen); wollte er seiner Kollegin imponieren? Das Üble daran ist, dass sich so die Notwendigkeit der Anwesenheit von Polizei relativiert. Es geht um Augenmaß.
Dieser Strafzettel wird kein Problem, ich habe schon für anderes bezahlt, auch zu recht, aber hier fühlt man sich gegängelt, was die Spaltung in der Gesellschaft nur noch weiter voran treibt. Polizisten machen sich zum Wärter der Ordnung, wo sie nur die Hüter sein sollten.

* Überschrift aus dem Wochenblatt der HAZ vom 23.10.2019 in Hannover