Entgrenzung

Wir hatten genügend Zeit und sind nach Basel gefahren. In der Abteilung der Moderne, vor zwei Bildern von Cézanne, erinnere ich mich an den Satz: Jeder Strich muss seine eigene Perspektive haben. Ich sehe, wie sich der Strich dem Gegenstand enthebt, selbständig wird, sich findet in dem von ihm erzeugten ästhetischen Gitter. Die Gegenstand-Erscheinung wird neu gebaut, packt an den Grundfesten, schafft neue Wirklichkeit – bei Cézanne ist es Wahrheit: Farbe und Setzung wird Grammatik, ein Einlassen auf die Selbst-Organisation des Bildes. Drei Schritte weiter hängt ein van Gogh (Landschaft). Das intellektuelle Gerüst verweht, die Striche verwirken sich zu einem zweidimensionalen Gewebe, auf dem sich eine dritte Ebene öffnet: Jeder Strich mit seiner eigenen Bedeutung.
Die Plakate der Gauguin-Ausstellung hingen schon: der Strich wird Umriss, Kontur, der farbige Flächen leise umrahmt, eng mit der Form verbunden, löst sich ihre Dynamik ins Symbol. Handschrift – die vangoghsche Selbstbehauptung – wird zu Gunsten des Ideellen reduziert, das Selbst des Malers transzendent!
Alles will im Kern neu begriffen werden.
So sind es gerade die letzten Arbeiten (ab 2010), in der sich meine Malerei deutlich ihrer Eigenschaften versichert. Sie trägt die Züge des Uneigentlichen, wirkt introvertiert, gewichtig (dreunend wie der Kollege Bier sagte), lyrisch, polternd, dabei geschmeidig und tut als ob. Die Werke stehen auf der Kante, selbst da, wo durch den Mantel der Stilisierung eindeutig persönliche Betroffenheit hindurch scheint. Einzelteile sind übergangslos montiert, mal bunt eingefärbt. Valeurs – natürlich, kommen vor –, aber auf der Deutungsebene sind nur Primär-, Sekundär- und Tertiär-Farben relevant, mehr als 12 Töne brauche ich nicht. Natürlich gibt es Mischungen mit Weiß und Schwarz, die ich eher wie laut und leise nutze.
Das Bild ist Anlass (wohl der erste Anlass), letztlich mein Sprungbrett in die Entgrenzung. Aufzeigbar nur an einer heute scheinbar konventionellen Formulierung, dem Tafelbild, das traditionell ‚fertig‘ ist, wenn es an der Wand hängt. Immer wieder suche ich den Weg aus diesem Rahmen hinaus, stellvertretend für das Lebens-System, dem ich das Kunst-System an die Hand gebe, die vermeintlichen Grenzen zu überprüfen.

Wenn wir nicht wüssten, dass das große Chaos herrscht, müssten wir es glauben: Ordnung ist, wenn wir tot sind.

Durch die Stadt treiben Gedanken, ich vorne weg, bleibe stehen, bevölkere die plaza de rosalia. „Schau’ sie nicht länger an.“
Mit jedem Schritt Erde greifen: Dem Wiegen lauschen, dem unendlichen Rauschen, Sterne zählen, Spiegelung des Selbst in jedem Blick, Andere sind mir fremd.
Wieder zuhaus, höre ich Musik.
Heitor Villa-Lobos. Sentiment, Weite. Mit großer Bewegung wird auf das ‚dahinter‘ verwiesen, das ‚alles Meins‘ in der Geste, nichts davon besitzen zu müssen. Dinge definieren sich durch ihren Schein, ihrem ‚als ob‘. Nichts ist Wahr und alles Wahrhaftig, weil es nichts als die Lüge zu erzählen gibt. Materielle Spiritualität, ohne Demut, spielt diese Musik – laut – es gibt Tage voller Melancholie, da höre ich sie richtig gern.

die Oberfläche der Zeit

… gerade läuft Schostakowitschs 5te Symphonie (wieder mit sch und w, obwohl ich mich nur schwer daran gewöhnen kann). Mein Ohr ist Dialektik gewöhnt, aber ein doppelter Boden ist nicht so leicht zu spielen, noch zu hören. Zu weit weg ist dieses Leben, nehme aber die Bedrückung, unabhängig von der jeweiligen Zeit, wahr. Das Finale quasi-melancholisch, eine Anti-Apotheose, (eher) dekonstruktiv. Dieser Kniff geht weit über das Groteske hinaus und sagt: Leben braucht mehr als ein emotionales Befinden, würde es nicht so sein, wäre jede Hoffnung verblasst.
Kunst-Machen kann ich mir heute nur noch als Geste vorstellen. Wer in meinen Bildern ‚Malerei‘ sehen will, muss schon sehr daran vorbei schauen. Der Verlust von Utopie lässt Sehnsucht kaum mehr zu, darum sind Entäußerungen im Kontext des Kunstbetriebes oft so schal, so blutleer, so aufgeräumt, für ein ganz bestimmtes Klientel gestellt, das sich nur dort stoßen will, wo auch ‚Kante‘ draufsteht.
Zurück: Eine Symphonie von Schostakowitsch beschreibt neue Wege, gleichzeitig entzieht sie sich. Das Leben des Autors, ein Kompromiss auf des Messers Schneide mit der Partei, stellt für mich keinen Vergleich, meine Ohren sind andere.
Wieder vor: Meine Position in der Malerei ist nicht einfach zu vermitteln, da sie knapp an Denk- und Malhülsen vorbeischrappt, in die sich zu leicht begeben wird. Natürlich ist gerade das die Qualität der Bilder und nutze Form-Systeme, die einen aktiven Betrachter voraussetzen. Da mir der Traum des Sozialismus nicht ausgeträumt scheint, fordere ich ein Publikum, dass es vielleicht nicht mehr gibt? Es ist in den wohlverdienten Urlaub gefahren, so dass Urteile über Kunst nur noch von einer kleinen Gruppe getroffen werden, die speziell dafür ausgebildet ist.
[Ich vernachlässige den kommerziellen Bereich, die Aktien, die Banker, für die Kunst noch nie bildend war und übergebe die Verkäufe an Institutionen dieser Art meinem Hunger auf Leben.]
Eine Möglichkeit von Kunst ist es die gesellschaftliche Dispositionen auszuleuchten, besser, man versteht das System dahinter – ein sich selbst genügendes progressives System, in der Zwangsläufigkeit einer utopielosen Zeit. Einer Zeit, in der individuelle Befindlichkeit / Darstellung überwiegt, kein gesellschaftliches Streben nach Veränderung, Fortschritt, von Revolution ganz zu Schweigen, zu weit ist der Gedanke.
Schaut man aber genau, ist der Wandel notwendiger als je zuvor, die bessere Welt die einzig mögliche. Aus dem Spezialistentum heraus, wird Verantwortung wieder auf viele verteilt. Das ›Um die Ecke denken‹ aus seiner Metapher entlassen, so könnte Kunst seinen Bildungsauftrag (den sie immer hatte) wieder übernehmen, zurück zu den Menschen, die die Neustrukturierung tragen (müssen). Warum glaubt man sonst, dass ein junger Mensch keine Lust verspürt, diese Gesellschaft mit sich zu erfüllen und zu entwickeln? Sie wollen unser Erbe nicht. Das sind ›Schulaufgaben‹, die ihnen ihre Eltern und Lehrer global hinterlassen haben – keiner macht sie gern. Verlangt wird eine Größe, die mich erschreckt, erschrecken muss, aber deutlich macht, warum ein Teil der besten Köpfe in die Wirtschaft (nicht Kneipe, obwohl auch eine Möglichkeit) geht, und andere im Selbst versanden. Wer hat die Wahl, wenn nur noch Zwangsläufigkeit zu Gebot seht? Die Glaubenskrieger haben es erkannt: Widerstand ist die erste Erfahrung des Seins.
Letztlich stimmt der Satz mehr denn je: So oder so, die Erde wird rot.
… jetzt die 8te.

Bestimmung im Feld

Das Verschwinden jeglichen Objekts in der bildenden Kunst war einfach folgerichtig. Mit diesem Wissen seine Position zu finden, kann nichts anderes sein, als eine Behauptung, wirkliche Malerei gibt es nur noch bei Flusser.
Am besten ziehen wir einen Kreis, zu unsicher ist das Terrain. Vor der Gesellschaft, wie wir sie heute kennen, war die Bannung problematischer Stellen immer die erste ReAktion im Umgang mit dem Unverstandenen. Das Pendeln zwischen den Wirklichkeiten Teil von Erkenntnis, der Griff nach den Sternen Sinnbild einer neuen Welt, die zuerst einmal benannt werden wollte: Wir sind nicht nur Kultur, wir sind durch Kultur.
Von der kleinstmöglichen Unordnung ins große Chaos, das langsam Ordnung annimmt, nur um sich dann entropisch zu nivellieren (jetzt), solange, bis aller Zusammenhang ins absolute Nichts auseinander gerissen wird.

Musikalien

In der Musik erscheint der zeitliche Ablauf wie selbstverständlich. Vergangenes vom Jetzt ins Zukünftige projizieren ist das wunderbare Vergnügen des Hörens – keine andere Disziplin gibt das her. Und es ist (fast) egal, ob die Töne von der CD kommen, oder man in einem Konzertsaal sitzt. Musik wird geträumt?

Schnittkes ‚Concerto for Piano and Strings‘ ist neben Shostakovichs Piano ‚Concerto No. 1‘ für mich aufregendste Tonsetzung, natürlich Stravinskys ‚Petrushka‘ von 1911 (den ich jetzt erst höre), aber Charles Ives – Polystilistik ist schon bei Ives zu hören. Mahler. Schoen(Berg). Pettersson komponiert mir den Grund, eine Art schwärende Ursuppe, auf der kleine, instabile Inseln schwimmen. Die Jüngeren: Adams, Goldmann, Goebbels!, Saariaho, Salonen, Trojahn, Clyne, Eichberg, Rijnvos, Putz, etc. und Philip Glass hat mit seiner 8ten doch noch ein Stück Musik geschrieben.

Hier geht es um Musik und natürlich ist meine klassische Musiksammlung nach Jahrhunderten, ab Anfang der Romantik nach 50er-Schritten sortiert (das letzte Jahrhundert in 20er). Dies auf die Unterhaltungsmusik – also Rock und Alternative CDs der 70er, 80er, 90er und später, anzuwenden, gibt ein völlig neues Gefühl der Erinnerung. In einem Leben, wo der Augenblick Wirklichkeit erahnen lässt, liegt die Wahrheit in der Chronologie. Je näher der aktuelle Moment, desto schwieriger wird es, die zugekauften Alben ‚richtig‘ einzuordnen. Ein Nachteil ist, dass Künstler, die über Dekaden gute Musik ablieferten, nun auseinander gerissen stehen. Gerade sortiere ich alles zurück, meine Frau würde sich beschweren. Bei iTunes kann ich ein ähnliches Ergebnis – mit einer Tastenkombination – erreichen, aber dieses Begreifen ist nur mittelbar.

Gern würde ich eine Partitur lesend hören, fühle mich aber wie ein User am Computer, der nichts von seiner KI begreift und trotzdem FIFA zockt. Wenn wir spielen, meint es das selbstvergessene Tun, das Klavier wird gespielt, eine Symphonie geschrieben. Trifonov spielt seinen Chopin, Ton wird Klang, in Ausführung das ideale Produkt der Notation wie das Licht (nur langsamer), Welle und Teilchen zugleich? Dem Bild ähnlicher als gedacht, das erst durch Licht erscheint, fließt vom Objekt ab, ist überall im Raum zugleich, als Erscheinung zuallererst Matrix einer Reflexion.

Zum Anfang zurück: In einem Livekonzert löst sich der Ton direkt von der schwingenden Saite, dieses Hören ist ein unmittelbarer Ereignisstrang in nur eine Richtung – keine Wiederholung möglich, Überraschungen nicht domestiziert. So entsteht das Auratische des Moments aus der Aneinanderreihung, ähnlich einer Linie, die sich aus vielen Punkten zusammenfügt, Musik als das eingelöste Versprechen. Auf CD gebrannt, konserviert, kann ich ein Stück nach Belieben wiederholen, vergleichend hören (Mahlers 4te von Kubelik 1968, Karajan 1979, Inbal 1985, Hänchen 2000, Jansons 2010 und Pinnock von 2013) und wahrhaftiges vermuten.

utopisch

… und dann ist da die Angst, nicht mehr auf der Höhe der Zeit zu sein.
Wenn die Computer anfangen zu denken (was letztlich nur eine Frage der Zeit ist), komme ich mir vor wie ein Idiot, der ein paar HTML-Zeilen schreiben kann. Das Gute an der industriellen Revolution war ihre Nachvollziehbarkeit, Kraft wurde übertragen – selbst eine Lokomotive könnte ich noch verstehen. Dergleichen hört auf bei der uns umgebenden Vernetzung. Eingefangen zappeln wir im Netz der Google-Fischer, ein Gewebe aus Algorithmen, das ich erahnen, bei weitem nicht verstehen, oder nachbauen kann.
Wenn Big Data unser Verhalten von Morgen erklärt, so ist Big Brother, staatgewordene Institution, die andere Seite einer Medaille derselben Währung. Google ist es möglich zu wissen – allein durch die Suchanfragen – wann die nächste Grippewelle regional ausbrechen wird. Das dann die Aktien bestimmter Pharmakonzerne steigen, liegt auf der Hand. Letztlich könnte man auch wetten, ob die errechnete Wahrscheinlichkeit eintrifft – Leerverkäufe waren Gestern. Der heutige staatliche Rahmen ist ein Relikt, gehört noch dem industriellen (modernen) Zeitalter an, ufert an den Rändern aus, das Sozialgefüge wird untergraben.
Wir leben in einer postutopischen Welt, die größer geworden ist, heute die Welt umspannt. Die Utopie einer neuen Gesellschaft wird kommen müssen – allein um die Auswüchse wieder einzufangen. Das ist ein notwendiger selbstregenerativer Prozess, wie bei der letzten Jahrhundertwende, als die industrielle Revolution ihre Kinder fraß und ins Elend stürzte. Leider wird das wieder nicht locker über die Bühne gehen, fast zwei Weltkriege waren nötig, um die Vorstellungen der Moderne, als Sozialgefüge wirklich werden zu lassen.
Unsere Kunst quält sich noch mit der Moderne, als Surrogat der Erneuerung. So wird an die großen Umwälzungen erinnert, aber das ist keinen Millimeter vorwärts. Die neuen Strukturen entwickeln sich immer aus den alten, werden überlagert vom ‚Common Sense‘ – der Sichtbremse – die täglich durch alle Medien rollt, die gleichen Medien, die vorzüglich auf das dahinter liegende verweisen, denn zu verheimlichen ist nicht, dass diese Welt aus ihrem Gefüge bricht, brechen muss, da die neue schiebt und drückt – geben wir ihr Gestalt.

der sprachlose Raum II

20 Jahre nach meinem Text ‚der sprachlose Raum‘ folgt hier eine Erweiterung dieses Gedanken.
Anlass ist der Satz von Szymczyk: ‚Kunst sind die Dinge, die wir nicht verstehen‘.

Ein Tafelbild, Objekt und die Installation sind erst mal nur Dinge, die das Mysterium, das Unerklärliche, dass Nichtverstehbare – das Geheimnis – ganz natürlich in sich tragen. Finden diese Dinge, durch welche Tat auch immer, in den öffentlichen Raum, wird ein dichter Schleier des Diskurses darüber gelegt, der die Magie des Seins nur noch durchschimmern lässt.
Kunst ist ein Wort, das Tätigkeiten wie Malen, Biegen, Schweißen, Setzen Stellen Legen, etc. einen neuen Rahmen gibt. Die Verwandtschaft zur Einrahmung eines Bildes ist nah, sie sagt: schau das Dargestellte nicht unter dem Aspekt des Handwerks, sondern dem der Kunst an. Das Werk wird aus seinem Erstellungs-Zusammenhang isoliert, damit neuer Wert entsteht. Kunst ist ein Begriff der Transformation.
Der Ursprung liegt schon bei den Höhlenzeichnungen, die Hand wurde auf eine Steinfläche gelegt und man sprühte mit dem Mund Farbe darüber. Die frühzeitlichen Gesellschaftsverbände brauchten Wegweiser, herausgehoben aus den Anstrengungen der Reproduktion. Die Handlung hatte eine soziale Funktion den Gemeinsinn zu stärken und zugleich einen Überbau zu geben, später den Glauben zu festigen. Heute ist Kunst aus dem rituellen wie sakralen Zusammenhang befreit (nicht dem politischen), die Umwertung übernimmt das System.
Natürlich läuft ein gutes Werk aus dem Diskurs, aus dem Ghetto der Kunsthistorie, hinaus, um dann in der Rezeption eingeholt und kanonisiert zu werden: Überschreitung und Vereinnahmung: das ganz eigene Spiel von Kunst im Betrieb. Wie bei einer Gleichung mit Unbekannten, wird das Nicht-Verstandene ausgeblendet, um auf ein Ergebnis zu kommen. Zahlen und Worte beschreiben die Wirklichkeit, damit sie berechen- und benennbar wird: Ein Apfel ist ein Apfel, weil wir wissen, dass er uns als Nahrung dienen kann. Treten wir ein Stück zurück (auch weil der Hunger nicht mehr ganz so groß ist), verblasst das Wort, löst sich der Gedanke vom Gegenstand, verweht der Nutzen. So steht Wirklichkeit immer unter der Notwendigkeit seiner Interpretation, damit Leben, wie wir es kennen, überhaupt erst möglich wird: Wir gehen bei Grün über die Straße, beißen in den Apfel (in Hannover wie in Hiroshima), weil die Zeichen durch Benennung, in einem Wortraum zusammengefasst und auf der Oberfläche eingeschrieben, allgemein geworden sind. Letztlich werden heute die Dinge mehr gelesen, als dass wir sie sehen. Wie ein Fotoapparat dem Auge nachempfunden und das Verkehrssystem unseren Blutbahnen ähnelt, ist die Reduktion überall in der Informationstechnik angekommen: Ein Softwareprogramm arbeitet nicht mit der vollen Auflösung der Abbildung, sondern einem Platzhalter, der stellvertretend schneller darstellbar ist. Diese zwangsläufige Ökonomie des Lebens ist der Bereich, dem sich ein Künstler nur noch durch Akklamation verweigern kann: Er legt das Geheimnis erklärtermaßen dar, verliert noch einmal, was schon verloren ist, macht einen Schritt über die allgemeine Übereinkunft hinaus, um mit dem Gewinn dieser Distanz den unverstellten Blick zurück zu holen. Bildende Kunst als Hinweis auf das alles durchdringende Chaos, der bodenlose Grund, von dem wir auf den Schleier zeigen, den jeder für sich selbst heben muss (im wahren Sinn die Apokalypse).

der sprachlose Raum 94

sinnlos

… keine Erinnerung an das, was dort zu sehen ist, wozu soll es gut sein – wie gebrauche ich es. Eigentlich gar nicht schlecht, die ganze Lehre vom Loslassen findet scheinbar ihre Realität. Aber nicht verstehen scheint nicht zu reichen, das im Kopf Geformte soll nicht seinem Zweck enthoben, sondern transzendiert sein. Damit wird Sinnbestimmung einem neuen Feld zugeführt: Es ist und ist nicht zugleich. Wir werden den Zusammenhang von Abbild und Nutzen im Gehirn nicht entkoppeln können, ohne durch die Gebrauchsanweisung hindurch zu sehen. Im dementen Hirn entschwindet der Sinn, ohne Platz zu schaffen. Das Bewusstsein, das bewusste Sein, leert sich nicht, sondern füllt sich mit Fragen. Leere ist aber nur erträglich durch Erfahrung der entgrenzten Existenz, wobei das Wort nur die vage Grenze darstellt, spezifischen Raum zu bestimmen. Alles dient dazu, Strecken zählbar zu machen, Entfernungen zu berechnen. Ein Schritt auf deer Treppe wäre nicht möglich ohne diese Fähigkeit, Schätzung das kalkulierte Maß. Fragt man sich beim Heben des Fuss’, welcher Muskel zuerst angespannt werden soll, dem wird das Hirn implodieren, es bleibt Leere ohne Sinn.

surfen Heraklit

Auf der Suche nach Lösungen, seinen es nun Bilder, Objekte oder Installationen, verweigere ich die Anwendung von wiederkehrenden Systemen. Mein Werk ist eher vielgestaltig, sich am selben Thema entwickelnd, in der Form jedoch unterschiedlich. Es sind die Kategorien von Narration, Lyrik, Realität/Surrealität und ethischer Anspruch, die mich in der Spur halten, mein Reflex auf gesellschaftliche Wirklichkeit. Nehme ich ein Teil von links – hängt es rechts, Stabilität gibt es nur im Guckkasten und verbrauche Energie kann in dieser Welt nicht mehr zurück gewonnen werden. Das Maß an entstandener Unordnung ist sicher überschaubar und nur durch neue Energiezufuhr kompensierbar, damit es aussähe wie zuvor. Aber man steigt nicht zweimal in denselben Fluss! Nach Janosch fällt nichts aus der Welt, so sollte man es seinen Kindern auch erzählen, leider ist unsere Welt anders. Sie frisst sich selbst, bis alle Qualitäten nivelliert sind, das ist Entropie, und wir reden nicht davon, dass uns ein Komet auf den Kopf fällt, oder ein Atomreaktor in die Luft fliegt. Letztlich wäre der Komet nicht zu kritisieren, auch wenn die Auswirkungen zu dem eines SuperGAUs die gleichen sind: unsere Lebensgrundlagen würden verdunsten. Wie gesagt, das ist kein Thema für die Märchenstunde, da lassen wir lieber morden, das fing schon bei Hänsel und Gretel und früher an. Heute nennt sich das Tatort. Klar – ich bin Surfer – ein Anlass führt folgerichtig zum nächsten. Guten Abend gute Nacht (es ist jetzt 01:08). Es ist die Interpretation einer Kurve, die mich von Punkt zu Punkt gleiten lässt. So komme ich zum Anfang zurück, der keiner sein kann, da er – wie nachgewiesen – nun ein anderer ist.