In meinem Viertel ist zum dritten Mal ein Eimer weißer Farbe verschüttet worden, an verschiedenen Stellen, aus Versehen. Das macht Rhythmus. Es liegen 10 kg Wandfarbe auf dem Gehweg. Beim Halten, oder Bremsen vom Rad gefallen, zur Freude des ästhetischen Gemüts. Urbaner Raum gestaltet sich selbst, bildet sich ab. Verkehrsteilnehmer, die durch die Farbe fahren oder gehen, transportieren regelmäßige Abdrücke in alle Richtungen. Ein Teil des Reifens ist geweißt und hinterlässt mit jeder Runde einen immer schwächer werdenden Abdruck auf dem Untergrund. Fußtritte gehen ins Abseits, um auf dem verbliebenen Winterrasen die Schuhe zu reinigen. Andere suchen, leicht schlängelnd, ihren unvermeidlichen Weg. Manche steuern aufeinander zu, das Neben-, Nach- und Übereinander lässt sich nur erahnen.
Weiter vor mir verlieren sich die Spuren, ein überschaubarer Ereignishorizont – Manifestation besonderer Art – nun, der Baumarkt ist gleich nebenan. Langsam verblassen die Markierungen, das Weiß wird, wie bei den vorherigen Malheurs, Grau und verschwindet irgendwann ganz.
Der Bereich ist seit vorgestern leicht mit Absperrband gesichert. Eine Papp-Tafel kündet von Gefahr. Irgendwie beschränkt das den interpretativen Raum und der Ort wird zur Baustelle degradiert. Ich frage mich: Warum eigentlich drei Mal Weiß, ist zu wenig Farbe heruntergefallen, damit einmal Rot dabei wäre?, und ich nehme an, dass es an der Renovierungsobligation, bei Aus- oder Einzug alles neu streichen zu müssen, liegt. Es riecht seltsam frisch an der Ampel, neben der die breit geflossene, heute zähe, Masse liegt.