Was uns bewegt ist das Drama,
was uns bleibt ist die Entäußerung

Auf einen schmalen malerischen Grad gestellt, wird jedes Menschenbild, jeder Gegenstand, existenzialistisch, jedoch wird eine gemalte Erzählung (wie ‚Das Floß der Medusa‘) noch lange nicht existenziell, es wird geschildert, erklärt, beweisen, reflektiert. Das Bild geriert zum Drama, aufgeführt im Moment des Verstehens. Dagegen erzeugt das malerische Schlachtfest de Koonings (Woman 1–) eine neue Wirklichkeit, erregt neues Sehen, bei dem der Gegenstand zum Anlass wird.
Entfernt sich aber der Gegenstand aus der Malerei, entsteht Leere, die sich nur noch auf sich selbst beziehen kann: kein Netz der Bezüglichkeit, kein Strich des unbedingten Willens zur Korrespondenz, keine Oszillilation zwischen Abbild und Setzung.
Heisenberg, Unschärfe – ich denk, das gilt immer noch.

Gewinnen und Verlieren sollte überwunden werden, nicht mit Esoterik, Theologie, oder Politik, sondern im bewussten Sein eines entropischen Wesens. Allein durch unsere Anwesenheit, der sich nähernden Monokultur des Humanoiden, verbrauchen wir unwiederbringlich Ressourcen, die den Bestand auch unserer Art limitiert. Der (beschleunigende) Grund ist das Finanzkapital, das auf Nichts und Niemand Rücksicht nimmt, nehmen kann, zu sehr ist es mit seinem (systemimmanenten, räuberisch-notwendigen) Wachstum beschäftigt.
Akzeptieren wir das Kapital als erschöpften Motor, komme ich zu dem Schluss, dass ihm keine weitere Umdrehung mehr gönnt sein sollte, seine Potenzen einer dynamischen Entwicklung sind aufgebraucht. Alle Utopien, aus dem Kapitalismus geboren, sollten neu gedacht werden. Zu sehr klammern wir uns an das alte Leben. Glauben an die Schöpfung, den Urknall. Dieses Leben wird den Kuipergürtel nicht durchfliegen, keine fremde Welten sehen.
Unser gesamtes Handeln, das technisch Machbare, folgt (auch unbewusst) dem Seienden: Auge = Linse, Blutbahnen = Verkehrsadern, Vorratshaltung = Cache usw. Wir stellen fest, das Alles mit Allem zusammenhängt, und Ideen nur Auslegungen von Annahmen sind. Sind WIR zwangsläufig, wird die KI zwangsläufig, oder ist alles ein Spiel von Energie, die den innenwohnenden Geist zum Vorschein kommen lässt? Wenn unsere Welt Bild ist, könnte man meinen, dass im Werden Vergehen die Zwangsläufigkeit ist, und der Geist bleibt, nur verschieden manifestiert.
Geist ist nicht Gott, er ist eine der großen Erzählungen, die Menschen zu beruhigen, wenn die Fragen weiter gehen, als die Antworten ihrer Zeit. Nur Erkenntnis schafft den Raum, sich seiner selbst bewusst zu werden. Im Anfang (gute 200.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung) war das Wort.
Nach 12.000 Jahren Sesshaftigkeit und Formung, sehen wir uns heute gespiegelt, artifiziell ist selbst der mitteleuropäische Wald, in dem wir spazieren gehen. Diese uns komplett umgebende Blase menschlichen Tuns ist der eigentliche Grund der Depression (unserer Kinder); nur noch scheinbar gelingt es, sich zu regenerieren, zu eng haben wir uns eingekreist.

Aus dem Chaos haben wir die Welt geordnet (zumindest dem Anschein nach). Diese Ordnung ist – Kraft des Geistes, den wir nur geliehen haben – das Licht, um einige Stellen im Dunkel zu erhellen. Nach dem Tod entgleitet uns diese Kraft und fließt in den Pool zurück. So lebt der Mensch nicht um glücklich zu sein – er lebt, um sich in seiner (selbstreferenziellen) Ordnung zu entwickeln, er bemüht sich Übersicht zu gewinnen, den großen Plan zu verstehen und solange er denkt eine Zukunft zu haben.
Wie lange ist es 24 Uhr?,
und ist es zu spät, wenn wir den Tod besiegen?
Wir sind, wir sind nicht, sind wir darum viele?
Es ist und ist nicht – immer zugleich,
Multiversien verstehe ich eher als aktives Backup – nur der jeweilige Unterschied wird gespeichert.

Dies sollte nicht dazu führen, dass noch mehr blutleere Kunst in die Vereine und Museen wandert, Kunst sollte wieder Teil eines breiten gesellschaftlichen Lebens werden, so einfach ist man bei Beuys, in dessen Werk diese Elemente sicher verarbeitet worden sind, oder Van Gogh, dessen Werk existentiell und strukturell im Einklang liegt. Was bei Adolphe Monticelli aufbricht und bei de Kooning seinen gegenwärtigen Halt findet, ist bei Van Gogh die Quadratur des Kreises (ich habe lange gebraucht es zu verstehen).