Archiv für den Monat: Mai 2019

Über Punkt Null

Ein Präsident redet wieder davon, die Freiheit im Nahen Osten verteidigen zu müssen. Wenn man nicht wüsste, dass alle Kriege seit dem 2ten Weltkrieg, provoziert, unter Falschmeldungen propagiert und letztlich verbrecherisch geführt worden sind, ist das Verständnis des Landes jenseits des Atlantik bei mir auf dem Null-Punkt. Unsere vermeintlichen Befreier, noch geschockt von den Konzentrationslagern, haben im gleichen Zug Atombomben auf Hiroschima und Nagasaki geworfen – ein Kriegsverbrechen – ohne unsere relativieren zu wollen. Diese Nation entschuldigt sich nicht, nicht für Japan, nicht für Korea, nicht für Vietnam, und nicht für den Irak. Lüge, Trug und Mauschelei – inzwischen alles bewiesen!
Und was setzt der Koch heute auf die Speisekarte: einen gesottenen Mullah auf Sumach?
Nicht erwähnt Afghanistan und Syrien, so haben sie den ganzen Gürtel Süd- und Kleinasiens mit Verwüstung überzogen, übrig sind Palmyras Schutt und Erbils Asche, Amerika ist weit weg und Fracking eine gute Methode, wenn Öl knapp wird.
Aber mit dem kleinen Tyrann ist gut reden, zwei Kumpels auf Augenhöhe, weil sie auf dicke Hose machen können. Was erlaubt sich dieses Land, eine Welt nach seinem Gusto zu stricken. Da wird der Holzhammer rausgeholt und auf Staaten, die sich erstmal nicht wehren können, draufgeschlagen. Also, habe die Bombe und Du sitzt mit am Tisch – was für eine Botschaft.
Die Mullahs sah ich 1978 als Möglichkeit Welt anders zu gestalten (genau wie die Sowjetunion 1917). Nun möchte der aufgeschwungene Weltpolizist dieses Experiment beenden. Mit welchem Recht (außer dem des Stärkeren) versucht die USA die Geschicke von Ländern zu leiten/wenden, nur weil es die militärische Macht dazu hat. In ihren Filmen hagelt nur so von Gewalt und entgrenztem Leben. Was wird da vorbereitet? Selbst ungerechtfertigte Kriege dienen mit individuellen Schicksalen noch ihrem Patriotismus. Die Kultur als Steigbügelhalter – sicher, zumal es in den USA fast nur jüdische Kultur gibt, sehen wir ab von den Künsten der Natives und der Musik der Schwarzen.
Ich mag die Regierung der Mullahs nicht, ich mochte die Sowjetunion Stalins nicht, aber ich bin für Experimente, Welt unter neuem Weg zu gestalten, andere Möglichkeiten zu suchen, als die nur Gewinnbringenden. Da muss es Wachstum geben, es wird erzwungen, damit das Kapital weiter seine Rendite macht. Abgeleitet von der Natur: Was nicht wächst, ist zum Scheitern verurteilt. So geriert sich Welt nur unter den Voraussetzungen der newtonschen Physik. Ein Apfel fällt zu Boden, der Kern entwickelt sich zum Trieb, wird ein Setzling, wird zum Baum. Das ist der Schein, und weil es der Schein ist, sollte Religion durchaus die Chance haben, diese Welt zu erklären und zu gestalten – natürlich sind das andere Grundlagen, als die vermeintlich säkular gegebenen und wer möchte schon das Mittelalter zurück.
Der allererste Akt eines Staates (zur Gewährleistung des äußeren und inneren Friedens) ist seine Bewaffnung. Das ein anderer Staat genauso denkt, hat der erste Weltkrieg bewiesen. Keiner konnte, wollte aus dem Zug steigen, der langsam Fahrt aufnahm, weil es bequemer ist, sitzen zu bleiben, die Landschaft an sich vorbeiziehen zu sehen, als aufzustehen und zu diskutieren, die Grundlagen zu analysieren.
Runter von diesem Gleis, neue Gemeinsamkeit erfühlen. Vom Klima bis zu Ökonomie, umspannende Lösungen müssen gefunden werden, die das Kapital nicht einflüstern darf. Uns selbst befreien – neu denken. Nicht nur was groß ist, hat Gewicht!
Au, welch ein Zetern, wenn man doch auf die eigene Geschichte schauen kann. Aber in Ansätzen haben wir es in Europa geschafft – Freizügigkeit, Pressefreiheit, Individualität. Müssen wir jetzt aus gegebenen Umständen die Grenzen wieder dicht machen und aufrüsten, um mit den ganz Großen zu spielen? Wir sind die großen, Europa ist der stärkste Wirtschaftsraum der Welt, aber langsam gehen uns die Ideen aus, halten zu lange den Atem an, halten zulange am Alten fest.
Ein Teil denkt da anders, aber müssen wir alle Erfahrungen mehrmals machen, muss Abel immer wieder erschlagen werden, um voran zu kommen. Entwicklung – Zeit des Gewinns und der Verluste, was wiegt schwerer. Vielleicht der Neid, es selbst im großen Maßstab nicht noch einmal wagen zu wollen. Leben müssen. Wir haben die Welt kolonialisiert, europäisiert, funktionalisiert, nach unserem Bild gestaltet, die USA schwangen sich als dessen Erbe auf, zum Polizisten mutiert.
Noch einen Sieg dürfen wir nicht gesatten.