Archiv für den Monat: August 2018

ἀποκάλυψις

Jeder Blick ist unmittelbares und mittelbares Sehen zugleich, … ist eine offene Welt, Farben und Formen kennen keine Gestalt, definieren ein Sein ohne Sinn, … ist mit Worten behaftet, konstruiert eine Welt nach der Welt in der Welt, die eine Ansicht gebiert, die den Inhalt des chaotischen Feldes ordnen hilft.
Wirkzusammenhang unseres Bewußtseins, welches sich nicht aus dem Raum entfernen kann, den es beschreiben möchte. Was bleibt sind Projektionen und Analysen des Gegebenen, die Ansicht wird zur Beschreibung!
Im Anfang war das Wort.
Die Schöpfungsgeschichte als notwendige Erzählung, das Unmittelbare von dem Mittelbaren zu scheiden. War das Wort im Anfang?, oder versucht es nur die Kluft der Menschwerdung zu schließen?, das bezügliche Dasein, die Lösung vom Ganzen – die Vertreibung aus dem Paradies.
Sehen ist immer gegenwärtig, jedoch führt der (die) Gegenwart ein hartes Regiment: eigesetzt als Wächter einer möglichen Welt, hat er (sie) sich zum Wärter aufgeschwungen, die Beschreibung durchzusetzen, ein Verschleiern* des Jetzt.
Mit Worten gegen eine Wand von Worten, gebaut in Jahrtausenden – vielleicht sind Trompeten die bessere Wahl.

* Apokalypse (griechisch ἀποκάλυψις „Enthüllung“, wörtlich „Entschleierung“ vom griechischen καλύπτειν „verschleiern“, im Christentum übersetzt als „Offenbarung“)

Aufstehen

Es ist doch die Frage, ob die Demokratie, als praktiziertes politisches Nachkriegsmodell, insgesamt in Frage gestellt werden muss. Das der sozialistische Entwurf nur bedingt funktionierte, hat die Sowjetunion, heute China, bewiesen.
Was also könnten die Ideen einer (neuen) Linken sein?
Was sollten deren Ziele sein?
Was die Utopie?
Sozialreformen würden (wieder) nur ein System erträglicher machen, dass allein dazu taugt, die Reichen noch Reicher zu machen.
Solidarität als erstes Prinzip. Eine Ethik, die Klassen wieder sichtbar werden lässt, dass Bewusstsein entsteht, dass ein Selbst wieder im Rahmen seiner Existenz definiert werden kann. Dazu muss die Unterdrückung nicht zunehmen, es nicht noch weniger Lohn geben.

Es ist diese korrumpierende Lebensart, in der sich eine Ausnahme-Arbeiterschaft gebildet hat, die die Welt mit ihren Reisen und Individualverkehr an den Rand, des jetzt zu spürenden Wandels, gebracht hat. Diese Arbeiterschaft hat nichts mit dem Mindestlohn, oder zu niedrigen Renten zu tun, sie wurden gemästet, um zu Spalten.
Kollegen aus Italien, Portugal und später der Türkei wurden eingestellt, den unteren Lohnbereich, mit einfacher Fabrikarbeit, zu schließen. Heute sind es Migranten, die im Niedriglohnsektor arbeiten. Da sie nicht (wie früher) in Fabriken arbeiten, können sie sich nur schlecht organisieren. Die Beschäftigungen sind individualisiert: Fahrer, Pfleger, Boten, alles Dienstleistungen – größere Spannungen, im Rahmen einer Bewegung, sind nicht zu erwarten.

Also geht es um Solidarität, eine Welt zu teilen, die nicht unsere ist. Das kann schon als Großzügigkeit reklamiert werden, die es gar nicht geben dürfte, aber die einzige Möglichkeit zu sein scheint, die europäische Leesart von Leben an den Tisch zu bekommen. Die Linke wurde mit einfachen, süffigen Parolen der Sozialdemokratie (mehr Demokratie wagen) aufgesogen. Das geht leichter, als mit durchdachten Analysen, die auch noch konkrete Arbeit verspricht; zumal die historische Erfahrung zeigt, dass sich Klassenbewusstsein nicht unbedingt von selbst entwickelt: Bürgerliche Intellektuelle, analysieren, geben Hinweise, veranlassen zur Struktur und Organisation, um nach vollzogener Wandlung, ihren Lohn einzufordern. Es wird sich an Privilegien, die notwendigerweise gewährt worden sind, geklammert. Die Rechtfertigung für einen Dienstwagen ist gar nicht so leicht zu finden.

Gleiche Mühle, gleicher Trott, immer wieder anrennen für den vermeintlichen Wandel. Der Grundwiderspruch kann heute nicht nur von Arbeit und Kapital abgeleitet werden, sondern ist allgemeiner: der von Gegenstand zu Widerstand – wo ich bin, kannst Du nicht sein. So ist die Einsicht zur Solidarität die Leistung des 19. Jahrhunderts, die Arbeiterbewegung war/ist international – muss(te) international sein, leider war 1914 alles vergessen.
Der Verrat an den Räten noch einmal?, Rosa Luxemburg noch einmal erschießen lassen? Noske konnte die Weimarer Republik nicht vor dem Nationalsozialismus bewahren.

Unsere Gesellschaft ist zersplittert, jede kleine Bewegung sucht ihren Weg, hält fest am Status quo. Nach 80 Millionen sollen 7 Milliarden zu Verbrauchern erzogen werden, weil das Kapital damit die besten Gewinne macht. Mit diesem horrenden, aufgepfropften Verbrauch entziehen / vermüllen wir unsere Lebensgrundlagen und die der späterern Generationen. Unwiederbringlich wird geplündert, diese Ressourcen wachsen nicht mehr nach.

Es bleibt nur die Einsicht, das der Weg zum Glück nicht offen liegt. Vielleicht im Versuch solidarisch zu sein – der letztlich mit Verzicht beginnen muss.
Was kann ich drangeben?, gegenüber dem Facharbeiter in Wolfsburg. Hilft mein Handeln ihn siegen zu sehen, sich als Teil einer unmenschlichen Maschinerie zu fühlen, sich wieder seiner selbst bewusst zu werden – Teil eines Ganzen zu sein?
Wirken die gescheiterten Versuche so gravierend nach, dass keine Hoffnung auf Wandel besteht? Muss erst die Vision Johannis’ Gestalt annehmen, mit Flüssen, die über die Ufer treten, mit Brot das verfault, mit Bergen, die ins Meer stürzen und Kindern, die siechen?
Die Bereitschaft sich mit diesen Themen auseinander zu setzen ist wohl zu spät, wenn die Apokalypse ihren Lauf genommen hat und Diskussionen um verpasste Chancen obsolet geworden sind.

Glauben müssen an die Unausweichlichkeit einer Tat, die den Anfang markiert.
Aufstehen! Direkte Demokratie leben.

Idee(n) einer möglichen Zukunft sollten sich fragmentieren dürfen; in kleinere Ziele, die sukzessive erreichbar sind. Das Kapital wird abgeschafft! Sicher hat das was mit Sozialismus zu tun, ist aber kein Übergangsstadium, bei dem Entbehrungen alltäglich sind, um in das ‚Goldene Zeitalter‘ zu gelangen. Es ist eine Glaubensfrage des Handelns, nicht die der Utopie.
Jedoch der Widerspruch des Einzelnen zur Einheit im Gesamten wird bleiben. Immer wieder werden daraus Probleme erwachsen, mit denen wir uns seit Jahrtausenden rumschlagen, aber es ist genau dieser Widerspruch, der uns zu Menschen macht.