Archiv für den Monat: Februar 2017

Horizont

Wenn Seyn Zeit ist, ist es in die Physik entlassen
Das Relativitätsprinzip (spezielle Relativitätstheorie, 1905) von Einstein besagt, dass es keinen absoluten Raum und keine absolute Zeit gibt. Mein Mathematik-Lehrer erkläre es mir 1978 so: wenn ich mit der Kreide auf der Tafel einen geraden Strich am Lineal ziehe, ist es von einem interplanetaren Standpunkt betrachtet eine Kurve, denn während der Zeit des Zeichnens dreht sich die Erde weiter, was die einzelnen Schreib-Punkte aneinandergereiht gekrümmt erscheinen lässt. Ein qualitativ höherer Blickwinkel (von außerhalb des alten Verständnis-Systems) gibt die 3. Dimension eines 2-dimensionalen Vorgangs.
Unser Wahrnehmungsraum ist ein Pendeln, wie bei den Elektronen (negativ geladene Elementarteilchen und Schale des Atoms). Welle und Teilchen zugleich, können sie in ihrer Dualität nicht an einem Ort bestimmt werden. Je nach Art der Messung, die man an ihnen durchführt, wird entweder ihre Wellen- oder nur ihre Teilcheneigenschaft in Erscheinung treten, nie aber beides gleichzeitig.
Aber gehen wir näher heran – noch näher, und es scheint, dass nach der kleinsten, von uns im Augenblick vorstellbaren zeitlichen Ebene, das Kontinuum der Zeit seine Eigenschaften verliert. Die bekannten physikalischen Gesetze jenseits der Planck-Zeit (5,391 · 10−44 Sekunden) versagen: Jede Ausdehnung im Raum kollabiert zu einem Schwarzen Loch.
Eine der Theorien zur Quantengravitation beschreibt das Gefüge der Raumzeit als 4-Dimensionalen Schaum, wobei man sich ein Bläschen (das mindestens die Größe einer Plankzeit hat), nicht eingebettet in Zeit und Raum vorstellen darf, sondern der Schaum selbst ist Zeit und Raum.

Wenn Zeit Sein ist, ist sie in die Ontologie entlassen
Durch den Menschen nimmt das Sein sich selber wahr und es wird sich nur bedingt auf den Grund gehen können. Wir müssten uns außerhalb stellen, wie beim Betriebssystem eines Computers, welches nur mit einem externen Datenträger repariert werden kann. Es kann nicht gelingen, den aktiven Kernel mit Bordmitteln auszuhebeln. Heute besitzen Computer eine Parallelwelt, den Cache: Es wird ausgelagert, was das Zeug hält, um schnelleren Zugriff (simpel: was öfters gebraucht wird, liegt ganz oben) zu gewährleisten und um den Kernel zu schützen. Eine wunderbare Erfindung!
Letztlich haben wir nur transzendiertes Zeug der uns umgebenden, alles durchdringenden, tieferen Wirklichkeit, hervor gebracht, wir sehen es meist erst hinterher. Wir bauen keine Autobahnen, weil unsere Blutbahnen brausen und den Wegen und Straßen etc. ähneln. Es ist die Ökonomie des Lebens, die uns zwingt, das Alte mit dem Neuen zu überbauen. Es stellt sich die Frage, ob auch wir ausgelagert sind, ist unser Weltbild doch der Schatten an der Wand? und haben deshalb keine Möglichkeit die Feinheiten unseres Betriebssystems zu verstehen?
Klar ist, dass wir mit den Computern der neuen Generation die Höhle bauen, in der das Lichterspiel schon stattfindet, allein der Betrachter fehlt noch – wir haben Milliarden Jahre gebraucht!

So müssen wir wohl an der letzten Frage zerbrechen: unser Horizont kann nicht überschritten werden, außer, dass sich das Leben zu einer Qualität entwickelt, auf der Erkenntnisse einer höheren Dimension möglich würden.
Trotzdem verstehen wir immer mehr im Rahmen des menschlich Darstellbaren. Als Teil der Natur vermessen wir das Universum mit unserem Welt-ICH, ein Universum als Spiegel unseres Selbst. Wir ruscheln uns die Grundlagen zurecht und fanden gerade den Klebstoff der alles zusammenhält (besser auseinandertreibt): Die Dunkle Materie. Nun stimmt die Rechnung wieder.