Jeder Blick ist unmittelbares und mittelbares Sehen zugleich, … ist eine offene Welt, Farben und Formen kennen keine Gestalt, definieren ein Sein ohne Sinn, … ist mit Worten behaftet, konstruiert eine Welt nach der Welt in der Welt, die eine Ansicht gebiert, die den Inhalt des chaotischen Feldes ordnen hilft.
Das Duale ist Wirkzusammenhang unseres Bewußtseins, welches sich nicht aus dem Raum entfernen kann, den es beschreiben möchte. Was bleibt sind Projektionen und Analysen des Gegebenen, die Ansicht wird zur Beschreibung!
Im Anfang war das Wort.
Die Schöpfungsgeschichte als notwendige Erzählung, das Unmittelbare von dem Mittelbaren zu scheiden. War das Wort im Anfang?, oder versucht es nur die Kluft der Menschwerdung zu schließen?, das bezügliche Dasein, die Lösung vom Ganzen – die Vertreibung aus dem Paradies.
Sehen ist immer gegenwärtig, jedoch führt der (die) Gegenwart ein hartes Regiment: eigesetzt als Wächter einer möglichen Welt, hat er (sie) sich zum Wärter aufgeschwungen, die Beschreibung durchzusetzen, ein Verschleiern* des Jetzt.
Mit Worten gegen eine Wand von Worten, gebaut in Jahrtausenden – vielleicht sind Trompeten die bessere Wahl.

* Apokalypse (griechisch ἀποκάλυψις „Enthüllung“, wörtlich „Entschleierung“ vom griechischen καλύπτειν „verschleiern“, im Christentum übersetzt als „Offenbarung“)

Aufstehen

Es ist doch die Frage, ob die Demokratie, als praktiziertes politisches Nachkriegsmodell, insgesamt in Frage gestellt werden muss. Das der sozialistische Entwurf nur bedingt funktionierte, hat die Sowjetunion, heute China, bewiesen.
Was also könnten die Ideen einer (neuen) Linken sein?
Was sollten deren Ziele sein?
Was die Utopie?
Sozialreformen würden (wieder) nur ein System erträglicher machen, dass allein dazu taugt, die Reichen noch Reicher zu machen.
Solidarität als erstes Prinzip. Eine Ethik, die Klassen wieder sichtbar werden lässt, dass Bewusstsein entsteht, dass ein Selbst wieder im Rahmen seiner Existenz definiert werden kann. Dazu muss die Unterdrückung nicht zunehmen, es nicht noch weniger Lohn geben.

Es ist diese korrumpierende Lebensart, in der sich eine Ausnahme-Arbeiterschaft gebildet hat, die die Welt mit ihren Reisen und Individualverkehr an den Rand, des jetzt zu spürenden Wandels, gebracht hat. Diese Arbeiterschaft hat nichts mit dem Mindestlohn, oder zu niedrigen Renten zu tun, sie wurden gemästet, um zu Spalten.
Kollegen aus Italien, Portugal und später der Türkei wurden eingestellt, den unteren Lohnbereich, mit einfacher Fabrikarbeit, zu schließen. Heute sind es Migranten, die im Niedriglohnsektor arbeiten. Da sie nicht (wie früher) in Fabriken arbeiten, können sie sich nur schlecht organisieren. Die Beschäftigungen sind individualisiert: Fahrer, Pfleger, Boten, alles Dienstleistungen – größere Spannungen, im Rahmen einer Bewegung, sind nicht zu erwarten.

Also geht es um Solidarität, eine Welt zu teilen, die nicht unsere ist. Das kann schon als Großzügigkeit reklamiert werden, die es gar nicht geben dürfte, aber die einzige Möglichkeit zu sein scheint, die europäische Leesart von Leben an den Tisch zu bekommen. Die Linke wurde mit einfachen, süffigen Parolen der Sozialdemokratie (mehr Demokratie wagen) aufgesogen. Das geht leichter, als mit durchdachten Analysen, die auch noch konkrete Arbeit verspricht; zumal die historische Erfahrung zeigt, dass sich Klassenbewusstsein nicht unbedingt von selbst entwickelt: Bürgerliche Intellektuelle, analysieren, geben Hinweise, veranlassen zur Struktur und Organisation, um nach vollzogener Wandlung, ihren Lohn einzufordern. Es wird sich an Privilegien, die notwendigerweise gewährt worden sind, geklammert. Die Rechtfertigung für einen Dienstwagen ist gar nicht so leicht zu finden.

Gleiche Mühle, gleicher Trott, immer wieder anrennen für den vermeintlichen Wandel. Der Grundwiderspruch kann heute nicht nur von Arbeit und Kapital abgeleitet werden, sondern ist allgemeiner: der von Gegenstand zu Widerstand – wo ich bin, kannst Du nicht sein. So ist die Einsicht zur Solidarität die Leistung des 19. Jahrhunderts, die Arbeiterbewegung war/ist international – muss(te) international sein, leider war 1914 alles vergessen.
Der Verrat an den Räten noch einmal?, Rosa Luxemburg noch einmal erschießen lassen? Noske konnte die Weimarer Republik nicht vor dem Nationalsozialismus bewahren.

Unsere Gesellschaft ist zersplittert, jede kleine Bewegung sucht ihren Weg, hält fest am Status quo. Nach 80 Millionen sollen 7 Milliarden zu Verbrauchern erzogen werden, weil das Kapital damit die besten Gewinne macht. Mit diesem horrenden, aufgepfropften Verbrauch entziehen / vermüllen wir unsere Lebensgrundlagen und die der späterern Generationen. Unwiederbringlich wird geplündert, diese Ressourcen wachsen nicht mehr nach.

Es bleibt nur die Einsicht, das der Weg zum Glück nicht offen liegt. Vielleicht im Versuch solidarisch zu sein – der letztlich mit Verzicht beginnen muss.
Was kann ich drangeben?, gegenüber dem Facharbeiter in Wolfsburg. Hilft mein Handeln ihn siegen zu sehen, sich als Teil einer unmenschlichen Maschinerie zu fühlen, sich wieder seiner selbst bewusst zu werden – Teil eines Ganzen zu sein?
Wirken die gescheiterten Versuche so gravierend nach, dass keine Hoffnung auf Wandel besteht? Muss erst die Vision Johannis’ Gestalt annehmen, mit Flüssen, die über die Ufer treten, mit Brot das verfault, mit Bergen, die ins Meer stürzen und Kindern, die siechen?
Die Bereitschaft sich mit diesen Themen auseinander zu setzen ist wohl zu spät, wenn die Apokalypse ihren Lauf genommen hat und Diskussionen um verpasste Chancen obsolet geworden sind.

Glauben müssen an die Unausweichlichkeit einer Tat, die den Anfang markiert.
Aufstehen! Direkte Demokratie leben.

Idee(n) einer möglichen Zukunft sollten sich fragmentieren dürfen; in kleinere Ziele, die sukzessive erreichbar sind. Das Kapital wird abgeschafft! Sicher hat das was mit Sozialismus zu tun, ist aber kein Übergangsstadium, bei dem Entbehrungen alltäglich sind, um in das ‚Goldene Zeitalter‘ zu gelangen. Es ist eine Glaubensfrage des Handelns, nicht die der Utopie.
Jedoch der Widerspruch des Einzelnen zur Einheit im Gesamten wird bleiben. Immer wieder werden daraus Probleme erwachsen, mit denen wir uns seit Jahrtausenden rumschlagen, aber es ist genau dieser Widerspruch, der uns zu Menschen macht.

Die Summe der Scherben

In der ausgeführten Postmoderne war für mich die Entseelung des einzelnen Elements zu konstatieren, die in Zusammenschau sicher notwendig geworden war, um eine Homogenisierung des Gesamten zu gewährleisten.
Malerei ist für mich ein Mittel, kleine Erzählungen an den richtigen Nagel zu hängen. Sicher gibt es in meinen Bildern formale wie strukturale Tendenzen, dränge sie aber zugunsten von Bedeutungsfeldern zurück. Ich arbeite der Sinnentleerung des Bild-Elements entgegen, lade es mit Bedeutung auf, die sich knapp aus der Struktur enthebt. Das ist kein Fortschrittsoptimismus, aber ein Zurück zur möglichen Utopie, ohne gleich Ideologie zu werden und stelle die sog. Postmoderne vom Kopf auf die Füsse.

Die Werke evozieren Sehnsucht. Dies geht nur mit Elementen, die außerhalb meiner/unserer Zeit liegen. Angefangen bei der Malerei, aber auch der Geschichte darin, ist es ein Symbol über den Verlust an Werten und Ressourcen, die so nicht mehr zurück zu holen sind. Ich spreche nicht von einem ‚geworfen sein‘, sondern von einem Gestaltungsende: auf der einen Seite die Möglichkeit uns selbst in die Luft zu jagen, auf der anderen der rasante Verbrauch aller Ressourcen, einhergehend mit einem Verfall von Werten. Das daraus resultierende Vakuum wurde vom Kapital kompromittiert, wir haben uns zu Verbrauchern degradiert.

Bilder wie ein gebrochener Spiegel, vielleicht Kaleidoskop, die versuchen keinen neuen Entwurf zu präsentieren, sondern als Summe gesehen werden wollen. Ich male mit dem Zweifel und der Gewissheit des Scheiterns, um im Ergebnis noch einmal den Augensinn zu betören, gleichzeitig mit offener Struktur, die das Werk erfahrbar werden lässt und fragt: wie weit muss ich zurück, um noch einmal zu verlieren, was schon verloren ist. In letzter Konsequenz – das Paradies.
So lege meinen Finger in die wunde Stelle außerhalb des Bild-Systems, muss aber innerhalb um eine Antwort ringen. Das wird zum Programm, ein Programm, das sich selbst zersetzt, zersetzen soll, denn Widerstand – die erste Erfahrung des Menschen – wird zum Gegenstand, löst sich aus dem System, in das der fragmentierten Idee.

Schleifenbahnen

Die Sicht einiger theoretischer Physiker stößt gerade an ihre Grenzen. Nach dem geozentrischen Weltbild folgte das heliozentrische, mit der Sonne im Mittelpunkt. Natürlich erkennen wir längst den Modellcharakter dieser Annahme, denn selbst in unserer – um ein schwarzes Loch rotierenden – Galaxie, liegen wir weit am Rand. Da aber das Universum wohl keinen Rand, noch einen Mittelpunkt besitzt, ist jede Annahme möglich. Messungen in alle Richtungen ergeben das gleiche Alter vom knapp 14 Milliarden Jahren.

Aus der Logik der Quantenphysik ist eine Zwangsvorstellung geworden, die wieder an das alte Weltbild, mit der Erde als Mittelpunk, erinnert: des Menschen Gedanken, um den sich alles dreht. Mit jeder Entscheidung, für oder gegen, sollen neue Universen entstehen, weil jede Möglichkeit eben auch die andere zulässt. Glauben wir nicht daran, muss wohl einiges der Quantenphysik neu geschrieben werden.
Die heisenbergsche Unschärferelation besagt vereinfacht, dass wir allein durch Betrachtung unsere Welt verändern. Licht ist Teilchen und Welle zugleich, je nachdem, wie, oder wann wir drauf schauen. Und mit jeder Entscheidung entstehen, wenn wir die Kiste mit der Katze nicht öffnen, zwei Möglichkeiten von Wirklichkeit, die sich darstellen lassen müssen.

So ist für mich wichtig, was war, bevor wir uns diese Frage stellen konnten? Über 12 milliarden Jahre ein kleines mickeriges Universum im Quantenschaum, das nur darauf wartete, endlich durch den Menschen in Widerspruch gedacht zu werden, um sich dann mit aberbillionen Möglichkeiten von Universen zu füllen. Das ist cogniozentrisch. Wieder nur eine kleine Welt, in der aus Schleifenbahnen Kreise werden, damit das Ganze passt.

Vielleicht könnten wir es wie ein Backup in der Computerarbeit betrachten: Es wird nicht jeweils die gesamte Festplatte neu geschrieben, sondern nur die reinen veränderten Daten werden alten Koordinaten neu zugeordnet. Eine Backup-Festplatte, die über Jahre den Prozess neuer Entscheidungen an Daten sichert, braucht nicht viel größer zu sein, als die des Arbeitsbereichs mit Betriebssystem. Es hätte nicht die Möglichkeit der Weiterentwicklung einer alternativen Welt, jedoch die Entscheidung, für und gegen, wäre konserviert, ohne das wir anfangen, Mulitversen stapeln zu müssen.

Am Tellerrand des bewussten Seins

Unser Gesellschaftsgefühl nutzt sich ab, wie eine Beziehung, die nicht mehr zu halten ist, wir entfremden uns, gehen auf Distanz.
Ausschlaggebend ist das unmögliche Gebaren einiger Konzerne, die es immer wieder schaffen, sich aus der Verantwortung zu ziehen. Neue Produkte, die besser sein sollen, im Hochglanz stehen, sind teurer, nicht aber von Qualität. Es ist das Verzweifeln an den ‚unscheinbaren‘ vielen Kleinigkeiten, die sich häufen: Schnittstellen passen nicht, Software geht eigene Wege – wir bekommen nicht, was auf der Packung steht. Dieses Gefühl ruft Ärger hervor, die nicht mehr mit dem neuen Glitzer überstrahlt werden kann. Wenn Banker Leerverkäufe tätigen und das Institut an die Wand fahren, zahlt der Steuerzahler, Autokonzerne schreiben ihre Verluste ab. Dahinein passt, dass kein Bürger in Deutschland seinen Wertverlust geltend machen kann, Klagen sind kaum möglich, oder von geringer Aussicht. Der Verbraucher merkt jeden Tag, dass er über den Tisch gezogen wird.

Aus dieser Stimmung heraus, ist es einfach, auf Flüchtlinge zu zeigen, die als kulturelle Überfremdung wahrgenommen werden, aber nur, weil einige Leute das plausibel erklären. Natürlich gibt es Probleme mit der 3ten Welle unserer Neubürger, aber der eigentliche Grund liegt im Aufbrechen des gesellschaftlichen Zusammenhalts.
Es muss darüber nachgedacht werden, warum sich diese Menschen überhaupt auf den Weg gemacht haben. Märkte in Afrika sind mit billigen Waren geflutet, dass selbst kaum noch produziert wird. Es wird verkauft, was nicht gebraucht wird, aber abhängig macht. Pflanzenschutzmittel ziehen einen Nebel der Abhängigkeiten hinter sich her, dass ganze Volkswirtschaften sich darin verstecken könnten.

Bei VW wollten die Arbeiter sicher ein gutes Auto bauen, und sie waren von ihrem Produkt überzeugt – aber es ist belogen und betrogen worden, nur unter Zwang gab es Zugeständnisse, noch heute wird sich lieber im Einzelfall geeinigt. Das Kapital steckt den Rahmen, der ein anderer ist, als der des Verbrauchers – auch wenn er zur selben größeren Gruppe gehört. Schlimmer noch, er wird schlechter behandelt, als die Käufergruppe in Übersee. Gerechtigkeit geht verloren – der innere Zusammenhang bricht auf. Das Kapital spaltet die Gesellschaft, seine innovative Kraft ist verbraucht, schlägt ins Gegenteil.

Der Kapitalismus hat sich in den letzten 30 Jahren noch einmal gerettet, die Globalisierung machte es möglich neue Märkte zu erschließen, das ist nun vorbei – zumindest für Westeuropa und Nordamerika. China und Indien haben vielleicht noch die Chance – bis ihr eigener Markt gesättigt ist – ihre Waren in den noch ärmeren Ländern abzusetzen.
Das Gefüge wird sich derart verschieben, dass die Weltwirtschaft zum Erliegen kommt. Uuups! Dann kommt, was bisher immer gekommen ist: Krieg. Und wir brauchen nicht die Augen zu schließen, um zu merken, dass es schon jetzt an allen Ecken und Enden brennt (das Kapital muss sich ja regenerieren).

Der französische Vorschlag Europa finanziell, wie militärisch zu einigen kommt zur richtigen Zeit. Natürlich wird das im globalen Spiel die einzige Möglichkeit sein zu bestehen, die Märkte werden kleiner und nicht mehr nur dem überlassen, der die besseren Ideen hat. Die Ökonomie des Lebens ist zwangsläufig. Die Briten träumen, rechnen sich groß, die USA zuerst.
Die Menschheit aber wird langfristig nur bestehen können, wenn sich grundlegende Änderungen ergeben, auch die Einigung Europas wird nur ein kleiner Schritt in diese Richtung sein, die den Widerspruch von Kapital und Mensch zwar entschärft, glättet, bis ein Bewusstsein vorhanden ist, dass auch diese Form obsolet machen wird.

Das zuletzt solch unsägliche Summen im Fussball ausgegeben worden sind – ein Sport, deren Spieler meist aus den ‚unteren‘ Schichten kamen – schmerzt besonders. Das Spiel hat eine hohe Komplexität, benötigt Kraft und Ausdauer, Schnelligkeit, Überblick und verkommt nun zum Event. Brot und Spiele. Arbeitervereine wie Borussia oder Schalke sind längst Auslaufmodelle, der BVB eine Aktiengesellschaft und selbst 96 wird die 50+1 Regelung aufheben. Der Sport, mit dem Geld zu verdienen ist, passt sich an. Versucht die Unterhaltung zu gewährleisten, wird zur Wirtschaftsgröße. Identifikation kann nur noch durch Betäubung gelingen, sei’s mit Alkohol, oder Ultra, als Weg zurück in eine vermeintliche Selbstbestimmung.
Spannungen im Inneren müssen sich entladen, ein Grund (wie der G20-Gipfel), ist letztlich austauschbar. Es geht darum selbst an Stellschrauben zu drehen, für den Augenblick Fakten zu setzen. Wie beim Alkohol ist meist ein dicker Kater die Folge. Es wird die Verwendung des Militärs im Inneren diskutiert, das sind Schritte aus der Demokratie heraus.
Aus diesen Verhältnissen ergibt sich ein kultureller Identifikationsverlust, der so groß ist, dass die politischen Ränder neu erstarken. Es bricht auf, ohne sich zu entwickeln: Das nennt man Restaurativ.

Wir können es nicht zulassen und werden verhindern, dass das ausgelaugte, aggressive Kapital die Einzelnen, Gruppen, Völker und sich selbst zerstört. Es kann nur global agiert werden, was sich weltweit ändern muss. Die internationale Arbeiterbewegung wusste davon, dass nur der zum Ziel gelangt, der über den eigenen Tellerrand schauen kann.

Abschnitt

… es fing an, dass wir unsere Haare und Nägel schneiden mussten. Es lief sich nicht automatisch ab, wie bei den Hunden die Krallen, es störte, hinderte bei alltäglichen Verrichtungen. Haare konnte man zusammen binden, aber irgendwann wurde auch das hinderlich. Werkzeuge mussten gefunden werden, sich aus dieser Lage zu befreien. Seitdem schneiden wir Teile von uns ab.
Im Alter von gut einem Jahr, wurden mir die Haare – blonde Locken – von meiner Mutter das erste Mal geschnitten. Ich sollte wie ein Junge aussehen. So kam die Pracht herunter, auf dem Kehrblech gesammelt und von oben in die angeheizte Küchenhexe gegeben. Das weiß ich aus Erzählungen, aber woran ich mich wirklich erinnere, ist der orange-gelbe helle Schein an der Küchendecke, der durch das Auflodern der Flammen entstand. Initiation, Menschwerdung, eine Trimmung, die die Zugehörigkeit einer bestimmten Gruppe unterstreichen sollte, aber auch ein Trauma: dieses Leuchten steht mir im Unterbewusstsein, ist Verletzung und Orientierung zugleich.
Vielleicht noch heute ein Grund, warum Juden und Moslems ihre männlichen Nachgeborenen beschneiden. Ich glaube nicht an Hygiene, eher an ein Symbol des sich Aufrichtens gegen die Natur, des Aufgenommenseins in die Gemeinschaft derer, die sich ihrer selbst bewusst sind. Das Band zur Evolution wird noch einmal durchtrennt, als bewusster Akt, Kind Gottes zu werden, dem im alten Testament – qua Symbol – nun die Erde zu Gebote steht.

Horizont

Wenn Sein Zeit ist, ist es in die Physik entlassen
Das Relativitätsprinzip (spezielle Relativitätstheorie, 1905) von Einstein besagt, dass es keinen absoluten Raum und keine absolute Zeit gibt. Mein Mathematik-Lehrer erkläre es mir 1978 so: wenn ich mit der Kreide auf der Tafel einen geraden Strich am Lineal ziehe, ist es von einem interplanetaren Standpunkt betrachtet eine Kurve, denn während der Zeit des Zeichnens dreht sich die Erde weiter, was die einzelnen Schreib-Punkte aneinandergereiht gekrümmt erscheinen lässt. Ein qualitativ höherer Blickwinkel (von außerhalb des alten Verständnis-Systems) gibt die 3. Dimension eines 2-dimensionalen Vorgangs.
Unser Wahrnehmungsraum ist ein Pendeln, wie bei den Elektronen (negativ geladene Elementarteilchen und Schale des Atoms). Welle und Teilchen zugleich, können sie in ihrer Dualität nicht an einem Ort bestimmt werden. Je nach Art der Messung, die man an ihnen durchführt, wird entweder ihre Wellen- oder nur ihre Teilcheneigenschaft in Erscheinung treten, nie aber beides gleichzeitig.
Aber gehen wir näher heran – noch näher, und es scheint, dass jenseits der kleinsten, von uns im Augenblick vorstellbaren zeitlichen Ebene, das Kontinuum der Zeit seine Eigenschaften verliert. Die bekannten physikalischen Gesetze (jenseits der Planck-Zeit 5,391 · 10−44 Sekunden) versagen: Jede Ausdehnung im Raum kollabiert zu einem Schwarzen Loch.
Eine der Theorien zur Quantengravitation beschreibt das Gefüge der Raumzeit als 4-Dimensionalen Schaum, wobei man sich ein Bläschen (das mindestens die Größe einer Plankzeit hat), nicht eingebettet in Zeit und Raum vorstellen darf, sondern der Schaum selbst ist Zeit und Raum.

Wenn Zeit Sein ist, ist sie in die Ontologie entlassen
Durch den Menschen nimmt das Sein sich selber wahr und es wird sich nur bedingt auf den Grund gehen können. Wir müssten uns außerhalb stellen, wie beim Betriebssystem eines Computers, welches nur mit einem externen Datenträger repariert werden kann. Es kann nicht gelingen, den aktiven Kernel mit Bordmitteln auszuhebeln. Heute besitzen Computer eine Parallelwelt, den Cache: Es wird ausgelagert, was das Zeug hält, um schnelleren Zugriff (simpel: was öfters gebraucht wird, liegt ganz oben) zu gewährleisten und um den Kernel zu schützen. Eine wunderbare Erfindung!
Letztlich haben wir nur transzendiertes Zeug der uns umgebenden, alles durchdringenden, tieferen Wirklichkeit, hervor gebracht, wir sehen es meist erst hinterher. Wir bauen keine Autobahnen, weil unsere Blutbahnen brausen und den Wegen und Straßen etc. ähneln. Es ist die Ökonomie des Lebens, die uns zwingt, das Alte mit dem Neuen zu überbauen. Es stellt sich die Frage, ob auch wir ausgelagert sind, ist unser Weltbild doch der Schatten an der Wand? und haben deshalb keine Möglichkeit die Feinheiten unseres Betriebssystems zu verstehen?
Klar ist, dass wir mit den Computern der neuen Generation die Höhle bauen, in der das Lichterspiel schon stattfindet, allein der Betrachter fehlt noch – wir haben Milliarden Jahre gebraucht!

So müssen wir wohl an der letzten Frage zerbrechen: unser Horizont kann nicht überschritten werden, außer, dass sich das Leben zu einer Qualität entwickelt, auf der Erkenntnisse einer höheren Dimension möglich würden.
Trotzdem verstehen wir immer mehr im Rahmen des menschlich Darstellbaren. Als Teil der Natur vermessen wir das Universum mit unserem Welt-ICH, ein Universum als Spiegel unseres Selbst. Wir ruscheln uns die Grundlagen zurecht und fanden gerade den Klebstoff der alles zusammenhält (besser auseinandertreibt): Die Dunkle Materie. Nun stimmt die Rechnung wieder.

googles Traum, oder die Ökonomie des Lebens

Letztlich wissen wir nicht mehr, als das da etwas ist, alles andere, jede Benennung ist Interpretation, die sich immer wieder neu beweisen muss (das intuitive Begreifen wird evolutionär verloren). Harte Wissenschaften sind einfacher zu beurteilen, ein Flug zum Mond verifiziert die Möglichkeiten, wobei die Philosophie im Dunklen tappt und nur selten reale Anwendung erfährt. Philosophie ist eher Deutung, oder verändert sie tatsächlich?, es sind wohl die Umstände die den Wandel erzwingen! In der Logik der Ökonomie geht es immer um Neu-Gruppierung – zum Vorteil seines Organisators.
Der alltägliche Gebrauch erklärt eine Prozellanwandung mit Boden zu einer Tasse. Das Ding braucht den Begriff, der die gesamte Wolke des unausgesprochenen Möglichen zum eigentlichen Nutzen führt. Den Durst löschten wir zuerst mit zwei Händen zu einer Hohlform angeordnet, tauchten sie ins Wasser und konnten so Wasser über Distanz zu uns nehmen. Tiere müssen ihren Kopf auf Höhe des Wasserspiegels bringen, um sich mit der Zuge / Schnabel das Wasser zuzuführen. Welch ein Vorteil des aufrechten Gang’s, Wasser auch nur mit einer Hand aufnehmen zu können. Abwehrbereit die Waffe in der anderen, die Savanne beobachtend.
Die Ökonomie des Lebens fördert und führt an die Grenzen, weil sich in ihr nur die Erhaltung der Art reflektiert und auf  Bedingungen reagiert (die sie nun selbst erzeugt), war der Entwicklungshelfer über Jahrtausende. In 200 Jahren haben wir exponentiell die Ressourcen verbraucht, dass die alten Modelle nicht mehr greifen (der Garten ist geleert, der erste und letzte Apfel muss es bringen). Je mehr wir verbrauchen, desto schneller müssen sich heute Ideen entwickeln, um dem Leben neue Möglichkeiten / Impulse zu öffnen. Modelle müssen sich beweisen. Die Antwort auf die Frage, was unsere Art denn sei, ist schwerer als gedacht, der Verdacht liegt nahe, dass ein Nachdenken über Staat, Ethnie, Dorf, oder Religion nicht greifen wird.
Langsam (aber immer schneller) entwickelt sich ein Meta-System, das noch abgehoben vom normalen Leben, zu Geist gekommen ist. Selbstfahrende Systeme sind noch einfach gestrickt (natürlich hochkomplex in der Konstruktion), erste Wege werden selbstständig gefunden, ohne die Entscheidung eines Menschen. Dem Fahrer wird die Verantwortung genommen, wird frei gesetzt, das Ganze als Fortschritt verkauft. Natürlich sind das alles Optimierungen unter ökonomischen Gesichtspunkt: kein anderes Fahrzeug, anderer Mensch soll zu Schaden kommen, Waren oder Güter sollen in Zukunft preiswerter und schneller transportiert werden. Ein anderes Feld ist die visuell orientierte Spielwelt, in der KI’s den Part des Gegners übernehmen. Hier sind Fortschritte erzielt, die ein selbstfahrendes Auto ziemlich alt aussehen lassen.
Alles wird nach unserem Maßstab gemessen (seit der Renaissance) und wir wählen, was unserer Erfahrung entspricht – eine sehr begrenzte Sicht – so könnten wir auch ein Pilz unter der Vorhaut Gottes sein, wir wüssten es nicht.

Die Entwicklung künstlicher Intelligenz geht in immer schnelleren Schritten voran. Erste Rover kreisen auf dem Mars: ausgelagertes Bewusstsein in noch kleinem Maßstab, wenn er selbst entscheidet, was der beste Weg zum – vom Menschen auf der Erde festgelegten – Ziel sei. Es ist die Abgabe der Kompetenz an die KI, da direkte Kommunikation mit dem Mars über 40 Minuten dauert, in der die Lebenszeit des Robots besser genutzt werden sollte. Die Entwicklung geht schnell voran, selbstlernende KIs steckt noch in den Kinderschuhen. Systeme lernen mithilfe eines neuronalen Netzwerks wie ein Mensch, funktionieren (rechnen?) wie ein Schachcomputer (gut, auch ein sehr begrenztes Feld), der sich das Spiel selbst beibringt, das Werkzeug wird zum Akteur!
Das eröffnet Möglichkeiten ungeahnter Art: Unsere Gedanken haben die KI entwickelt, die sich selbst weiter entwickelt; unser Geist lebt in anderer Form weiter, verschmilzt in Bits and Bytes. Das Wissen der Menschheit wird transferiert, aber unter dem Aspekt der Ökonomie könnte es sein, dass 95 % der humanen Spezies überflüssig wird, zumindest uninteressant. Ein Rückfall in Barbarei ist wahrscheinlich, technologische Verödung in weiten Teilen die Folge, aber es gäbe kein Platz für Sentimentalität, es wäre die zwangsläufige Entwicklung.
Ökonomie ist kein Stillstand, sondern ständiges Ausprobieren neuer Möglichkeiten und so würden wir mittels der KIs erste Reisen ins All antreten und Milliarden von Kilometern hinter uns lassen. Keine Strahlung könnte das empfindliche humane Erbgut zerstören. Alter und Krankheit gäbe es nicht, Versorgung des Stoffwechsels unnötig. Diese KI würde sich entwickeln, vielleicht wie die ersten Seefahrer, die Schiffe würden effizienter. Weiter ins uns (un)bekannte All ginge die Reise, das Lernen / Wissen stiege irgendwann exponentiell an, sehr wahrscheinlich auch der Verbrauch an Energie, um das gesamte Gebilde zu versorgen. Höchstwahrscheinlich würde es an den Rand seiner Wirklichkeit stoßen, z. B. wenn das Universum mit künstlicher Intelligenz angefüllt wäre, wie heute unsere Welt bevölkert ist.

Zurück.
Im Westen und Asien das fortschreitende gierige Gewinnstreben, ein Kapitalismus, der seine Grenzen überschritten hat, alles mit sich reißt. So lassen sich die Probleme der Welt nicht lösen, auch nicht durch den Rückfall in theologische Kleinkriege (diese Zeit haben wir nicht mehr), noch durch die zügellose Maximierung von Profit.

Die neue Ordnung muss welterhaltend gestaltet werden, nur scheint darüber kein Konsens zu bestehen. Künstliche Intelligenz wird von Konzernen entwickelt, die am Ende des Tages ihre Kasse zählen, die Büchse der Pandora ist geöffnet, wie bei der Sequenzierung, und man kann nicht vorausschauen, wohin das führt. Die Entwicklung der Dampfmaschine hatte bei aller Ähnlichkeit im Entwicklungsschritt Maschinenstürmer hervorgebracht – die Angst, Anhängsel der Maschinen zu werden, wurde mit dem ersten Fließband zur Realität.
Der Maschine wird zum Geist verholfen, wir könnten uns von unserer biologischen Bindung befreien, aber nie werden wir auf der Brücke stehend mit einem großen Raumschiff andere Welten erkunden, die Physik spricht einfach dagegen (dieser Trägheitsdämpfer muss erstmal beschrieben werden, der eine Beschleunigung jenseits des Lichts zulässt). Vielleicht schaffen wir noch den Mars, aber nie werden Menschen unser Sonnensystem verlassen. Unsere Emission von Radiowellen donnert ohne Begrenzung seit ca. 70 (Licht)Jahren kugelförmig ins All, Sonden, die gerade den Jupiter und anschließend den äußeren Bereich des Sonnensystems erreichten, sind unterwegs. Nur unsere Vorstellung von einem Raumschiff (gleich einem Kreuzfahrtschiff), wird sich ändern müssen.
Ein Wurmloch könnte abkürzen, aber das einfache Problem der Beschleunigung  bliebe bestehen. Der Strang an DNA, notwendig eine Person zu klonen, läge bereit, würde aber voraussetzen, dass eine lebensähnliche (kompatible) Umwelt vorhanden wäre. Das wird wohl selten der Fall sein, so wählen wir nicht einen passenden Planeten zur weiteren Entwicklung, sondern entkoppeln uns von der biologischen Lebenserhaltung, wären Geist der Maschine.

Was wäre, wenn das einfache Schließen der Augen reichen würde, andere Welten zu schauen, unabhängiger, freier Geist ist nicht in Lichtjahren zu messen, im Handumdrehen wären wir in einer anderen Galaxie hinter dem Ereignishorizont. Vielleicht ist es – nachdem sich der Geist von den Maschinen befreit hat – weil das Gesamte Alles ist – ganz einfach, eine neue Singularität zu erzeugen. Noch einmal Milliarden Jahre, aber vielleicht nur ein leichtes Kratzen, weil es juckt.

Freiheit

… diese Aufnahme habe ich seit knapp zwei Jahren: die 4te Symphonie von Schumann, dirigiert von Sir Simon Rattle mit den Berliner Symphonikern. Öfters gehört – immer gut, nun wird sie immer besser!, in der ersten Fassung der eigentlich 2ten.
Vielleicht spielt die Aufnahmetechnik eine Rolle, große Transparenz bis in die hinteren Musikerplätze, aber all das habe ich gewusst. Hundertmal gehört, in etwa. Letztlich kann ich es nicht erklären, die CD klingt luftig und dramatisch, kein klassischer Zementblock, wie bei so vielen Aufnahmen. Schon die 2te und 3te des selben Zyklus‘ sind anders, haben nicht diese Dynamik, den Zugriff bis unten hinein.
Schumanns Romantik, von der Aufklärung geprägt, kommt sicher mehr vernunftbestimmt daher, ohne Verklärung, die ab 1865 in die Bürgerhäuser einzieht. Die Welt war auf die Füsse gestellt, ideal pragmatisch, mit einer Utopie, die über Grenzen hinausging.
Freiheit! mit einem Anklang von Schwermut.
Weitab für Heute. Dennoch,
das höre ich in diesem Stück, von Rattle freigelegt, der als Engländer (ein Begriff, den ich als Kind immer mit einem Werkzeug gleich setzte), hier meiner Unbedarftheit die Hand reicht und als Geburtshelfer die Zange ansetzt, neues Hörerleben in die Welt zu tragen. Jetzt die Symphonie von Holliger – knapp dran – aber nie wäre ich auf diesen Gedanken gekommen.
Musik, oder jede künstlerische Entäußerung, muss seine Grenzen verlassen, es ist wie eine Form ohne den Zwang zum Begriff: sie schwebt.