Über Punkt Null

Ein Präsident redet wieder davon die Freiheit im nahen Osten verteidigen zu müssen. Wenn man nicht wüsste, dass alle Kriege seit dem 2ten Weltkrieg, provoziert, unter Falschmeldungen propagiert und letztlich verbrecherisch geführt worden sind, ist das Verständnis des Landes jenseits des Atlantik bei mir auf dem Null-Punkt. Unsere vermeintlichen Befreier, noch geschockt von den Konzentrationslagern, haben im gleichen Zug Atombomben auf Hiroschima und Nagasaki geworfen – ein Kriegsverbrechen – ohne unsere relativieren zu wollen. Diese Nation entschuldigt sich nicht, nicht für Japan, nicht für Korea, nicht für Vietnam, und nicht für den Irak. Lüge, Trug und Mauschelei – inzwischen alles bewiesen!
Und was setzt der Koch heute auf die Speisekarte: einen gesottenen Mullah auf Sumach?
Nicht erwähnt Afghanistan und Syrien, so haben sie den ganzen Gürtel Süd- und Kleinasiens mit Verwüstung überzogen, übrig sind Palmyras Schutt und Erbils Asche, Amerika ist weit weg und Fracking eine gute Methode, wenn das Öl knapp wird.
Aber mit dem kleinen Tyrann ist gut reden, zwei Kumpels auf Augenhöhe, weil sie auf dicke Hose machen können. Was erlaubt sich dieses Land, eine Welt nach seinem Gusto zu stricken. Da wird der Holzhammer rausgeholt und auf Staaten, die sich erstmal nicht wehren können, draufgeschlagen. Also, habe die Bombe und Du sitzt mit am Tisch – was für eine Botschaft.
Die Mullahs sah ich 1978 als Möglichkeit Welt anders zu gestalten (genau wie die Sowjetunion 1917). Nun möchte der aufgeschwungene Weltpolizist dieses Experiment beenden. Mit welchem Recht (außer dem des Stärkeren) versucht die USA die Geschicke von Ländern zu leiten/wenden, nur weil es die militärische Macht dazu hat. In ihren Filmen hagelt nur so von Gewalt und entgrenztem Leben. Was wird da vorbereitet? Selbst ungerechtfertigte Kriege dienen mit individuellen Schicksalen noch ihrem Patriotismus. Die Kultur als Steigbügelhalter – sicher, zumal es in den USA nur jüdische Kultur gibt, sehen wir ab von den Künsten der Natives und der Musik der Schwarzen.
Ich mag die Regierung der Mullahs nicht, ich mochte die Sowjetunion Stalins nicht, aber ich bin für Experimente, Welt unter neuem Weg zu gestalten, andere Möglichkeiten zu suchen, als die nur Gewinnbringenden. Da muss es Wachstum geben, es wird erzwungen, damit das Kapital weiter seine Rendite macht. Abgeleitet von der Natur: Was nicht wächst, ist zum Scheitern verurteilt. So geriert sich Welt nur unter den Voraussetzungen der newtonschen Physik. Ein Apfel fällt zu Boden, der Kern entwickelt sich zum Trieb, wird ein Setzling, wird zum Baum. Das ist der Schein, und weil es der Schein ist, sollte Religion durchaus die Chance haben, diese Welt zu erklären und zu gestalten – natürlich sind das andere Grundlagen, als die vermeintlich säkular gegebenen und wer möchte schon das Mittelalter zurück.
Der allererste Akt eines Staates (zur Gewährleistung des äußeren und inneren Friedens) ist seine Bewaffnung. Das ein anderer Staat genauso denkt, hat der erste Weltkrieg bewiesen. Keiner konnte, wollte aus dem Zug steigen, der langsam Fahrt aufnahm, weil es bequemer ist, sitzen zu bleiben, die Landschaft an sich vorbeiziehen zu sehen, als aufzustehen und zu diskutieren, die Grundlagen zu analysieren.
Runter von diesem Gleis, neue Gemeinsamkeit erfühlen. Vom Klima bis zu Ökonomie, umspannendeLösungen müssen gefunden werden, die das Kapital nicht einflüstern darf. Uns selbst befreien – neu denken. Nicht nur was groß ist, hat Gewicht!
Au, welch ein Zetern, wenn man doch auf die eigene Geschichte schauen kann. Aber in Ansätzen haben wir es in Europa geschafft – Freizügigkeit, Pressefreiheit, Individualität. Müssen wir jetzt aus gegebenen Umständen die Grenzen wieder dicht machen und aufrüsten, um mit den ganz Großen zu spielen? Wir sind die großen, Europa ist der stärkste Wirtschaftsraum der Welt, aber langsam gehen uns die Ideen aus, halten zu lange den Atem an, halten zulange am Alten fest.
Ein Teil denkt da anders, aber müssen wir alle Erfahrungen mehrmals machen, muss Abel immer wieder erschlagen werden, um voran zu kommen. Entwicklung – Zeit des Gewinns und der Verluste, was wiegt schwerer. Vielleicht der Neid, es selbst im großen Maßstab nicht noch einmal wagen zu wollen. Leben müssen. Wir haben die Welt kolonialisiert, europäisiert, funktionalisiert, nach unserem Bild gestaltet, die USA schwangen sich als dessen Erbe auf, zum Polizisten mutiert.
Noch einen Sieg dürfen wir nicht gesatten.

Kunst die sich verkauft, ist a priori noch keine gute Kunst. Kunst die sich nicht verkauft, ist a priori noch keine gute Kunst.

Allerdings ist der Spagat, dass Kunst erst zur Kunst wird, wenn sie im öffentlichen Diskurs steht, wobei ein Verkauf durchaus förderlich sein kann. Der eigentliche Knackpunkt ist, dass jegliche Entäußerung eines Künstlers zur Ware mutiert. Nicht ganz einfach, aber wir leben im Kapitalismus, wobei alles, was zur Veräußerung steht, zur Ware wird. Die Gesetzte der Ware sind von Marx differenziert dargelegt, das Problem ist das gleiche, auch wenn es um Malerei, Skulptur, Installation, oder die neuen Medien geht. Findungen verdunsten im Rauch des verbrannten Geldes.
Freiheit im Markt findet nur ganz oben, außerhalb, oder am Rand statt, alles andere strampelt sich ab, läuft seinem Gewissen hinterher. Auf den Messen sehen wir den Versuch, mit Geld mehr Geld zu machen. Der Wert verschiebt sich vom inhaltlichen Gewicht zur pekuniären Vergleichbarkeit. Auf der anderen Seite wird an diesen tristen Orten Kunst gezeigt, die noch augensinnlich wirken darf.
Hier tat sich eine Lücke auf, in die die Kunstvereine gesprungen sind, sie zeigen die alternativen, raumgreifenden Arbeiten von Künstlern, die natürlich auch schon verkauft haben dürfen/sollen. Als freie Show, bis hin zu regionalen Verantwortung, in der Bürger sich engagieren, ist die Kunstvereins-Kunst fast ein eigenes Genre geworden.
In vielen der Fälle von Frauen geleitet, ist über Jahre ein Bild entstanden, das das scheinbar Geistige destilliert und an die Wand bringt. Weniger ist mehr kann aber nicht immer stimmen, aber auratisiert die Positionen. Viel Platz für eine kleine Geste, nimmt den Schmerz am Poveren.
Um nicht in den Verdacht eines, wie auch immer gearteten, Feminismus zu kommen, wird das Weibliche unterdrückt, was nicht heisst, das keine Frauen ausgestellt werden, es geht eher um eine schleichende Entsinnlichung, zugunsten einer Problematisierung des sozialen Umfelds – ist zur politischen Veranstaltung geworden, die auch Verantwortung übernommen hat, bis zu dem Grad, das Sinnlichkeit in den Verdacht des Reaktionären gekommen ist.
Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.
Es treiben seltsame Blüten auf beiden Seiten, der eine Betrieb entschuldet den anderen.
Die Richtschnur wird mir fremd – liegt wohl am Alter.

Der Verlust zeichnet mein Gesicht.
Tränen und Trauer sind meine nicht angenommene Schuld als Hinterbliebener,
Tränen und Trauer sind die unwiederbringlichen Momente des Gleichklangs und Glücks.
Wie soll es sein, wenn mir die Hälfte fehlt.
Mit dem Spiegel der Endlichkeit vor Augen verglüht die Freiheit im Glauben, im Glauben Müssen an die Unausweichlichkeit.
Der Trost Jesu steht mir nur schwer zu Gebot – und doch weiß ich um ihn – manchmal ist das mehr, als man denkt.

ἀποκάλυψις

Jeder Blick ist unmittelbares und mittelbares Sehen zugleich, … ist eine offene Welt, Farben und Formen kennen keine Gestalt, definieren ein Sein ohne Sinn, … ist mit Worten behaftet, konstruiert eine Welt nach der Welt in der Welt, die eine Ansicht gebiert, die den Inhalt des chaotischen Feldes ordnen hilft.
Wirkzusammenhang unseres Bewußtseins, welches sich nicht aus dem Raum entfernen kann, den es beschreiben möchte. Was bleibt sind Projektionen und Analysen des Gegebenen, die Ansicht wird zur Beschreibung!
Im Anfang war das Wort.
Die Schöpfungsgeschichte als notwendige Erzählung, das Unmittelbare von dem Mittelbaren zu scheiden. War das Wort im Anfang?, oder versucht es nur die Kluft der Menschwerdung zu schließen?, das bezügliche Dasein, die Lösung vom Ganzen – die Vertreibung aus dem Paradies.
Sehen ist immer gegenwärtig, jedoch führt der (die) Gegenwart ein hartes Regiment: eingesetzt als Wächter einer möglichen Welt, hat er (sie) sich zum Wärter aufgeschwungen, die Beschreibung zu fixieren, ein Verschleiern* des Jetzt.
Mit Worten gegen eine Wand von Worten, gebaut in Jahrtausenden – vielleicht sind Trompeten die bessere Wahl.

* Apokalypse (griechisch ἀποκάλυψις „Enthüllung“, wörtlich „Entschleierung“ vom griechischen καλύπτειν „verschleiern“, im Christentum übersetzt als „Offenbarung“)

Aufstehen

Es ist doch die Frage, ob die Demokratie, als praktiziertes politisches Nachkriegsmodell, insgesamt in Frage gestellt werden muss. Das der sozialistische Entwurf nur bedingt funktionierte, hat die Sowjetunion, heute China, bewiesen.
Was also könnten die Ideen einer (neuen) Linken sein?
Was sollten deren Ziele sein?
Was die Utopie?
Sozialreformen würden (wieder) nur ein System erträglicher machen, dass allein dazu taugt, die Reichen noch Reicher zu machen.
Solidarität als erstes Prinzip. Eine Ethik, die Klassen wieder sichtbar werden lässt, dass Bewusstsein entsteht, dass ein Selbst wieder im Rahmen seiner Existenz definiert werden kann. Dazu muss die Unterdrückung nicht zunehmen, es nicht noch weniger Lohn geben.

Es ist diese korrumpierende Lebensart, in der sich eine Ausnahme-Arbeiterschaft gebildet hat, die die Welt mit ihren Reisen und Individualverkehr an den Rand, des jetzt zu spürenden Wandels, gebracht hat. Diese Arbeiterschaft hat nichts mit dem Mindestlohn, oder zu niedrigen Renten zu tun, sie wurden gemästet, um zu Spalten.
Kollegen aus Italien, Portugal und später der Türkei wurden eingestellt, den unteren Lohnbereich, mit einfacher Fabrikarbeit, zu schließen. Heute sind es Migranten, die im Niedriglohnsektor arbeiten. Da sie nicht (wie früher) in Fabriken arbeiten, können sie sich nur schlecht organisieren. Die Beschäftigungen sind individualisiert: Fahrer, Pfleger, Boten, alles Dienstleistungen – größere Spannungen, im Rahmen einer Bewegung, sind nicht zu erwarten.

Also geht es um Solidarität, eine Welt zu teilen, die nicht unsere ist. Das kann schon als Großzügigkeit reklamiert werden, die es gar nicht geben dürfte, aber die einzige Möglichkeit zu sein scheint, die europäische Leesart von Leben an den Tisch zu bekommen. Die Linke wurde mit einfachen, süffigen Parolen der Sozialdemokratie (mehr Demokratie wagen) aufgesogen. Das geht leichter, als mit durchdachten Analysen, die auch noch konkrete Arbeit verspricht; zumal die historische Erfahrung zeigt, dass sich Klassenbewusstsein nicht unbedingt von selbst entwickelt: Bürgerliche Intellektuelle, analysieren, geben Hinweise, veranlassen zur Struktur und Organisation, um nach vollzogener Wandlung, ihren Lohn einzufordern. Es wird sich an Privilegien, die notwendigerweise gewährt worden sind, geklammert. Die Rechtfertigung für einen Dienstwagen ist gar nicht so leicht zu finden.

Gleiche Mühle, gleicher Trott, immer wieder anrennen für den vermeintlichen Wandel. Der Grundwiderspruch kann heute nicht nur von Arbeit und Kapital abgeleitet werden, sondern ist allgemeiner: der von Gegenstand zu Widerstand – wo ich bin, kannst Du nicht sein. So ist die Einsicht zur Solidarität die Leistung des 19. Jahrhunderts, die Arbeiterbewegung war/ist international – muss(te) international sein, leider war 1914 alles vergessen.
Der Verrat an den Räten noch einmal?, Rosa Luxemburg noch einmal erschießen lassen? Noske konnte die Weimarer Republik nicht vor dem Nationalsozialismus bewahren.

Unsere Gesellschaft ist zersplittert, jede kleine Bewegung sucht ihren Weg, hält fest am Status quo. Nach 80 Millionen sollen 7 Milliarden zu Verbrauchern erzogen werden, weil das Kapital damit die besten Gewinne macht. Mit diesem horrenden, aufgepfropften Verbrauch entziehen / vermüllen wir unsere Lebensgrundlagen und die der späterern Generationen. Unwiederbringlich wird geplündert, diese Ressourcen wachsen nicht mehr nach.

Es bleibt nur die Einsicht, das der Weg zum Glück nicht offen liegt. Vielleicht im Versuch solidarisch zu sein – der letztlich mit Verzicht beginnen muss.
Was kann ich drangeben?, gegenüber dem Facharbeiter in Wolfsburg. Hilft mein Handeln ihn siegen zu sehen, sich als Teil einer unmenschlichen Maschinerie zu fühlen, sich wieder seiner selbst bewusst zu werden – Teil eines Ganzen zu sein?
Wirken die gescheiterten Versuche so gravierend nach, dass keine Hoffnung auf Wandel besteht? Muss erst die Vision Johannis’ Gestalt annehmen, mit Flüssen, die über die Ufer treten, mit Brot das verfault, mit Bergen, die ins Meer stürzen und Kindern, die siechen?
Die Bereitschaft sich mit diesen Themen auseinander zu setzen ist wohl zu spät, wenn die Apokalypse ihren Lauf genommen hat und Diskussionen um verpasste Chancen obsolet geworden sind.

Glauben müssen an die Unausweichlichkeit einer Tat, die den Anfang markiert.
Aufstehen! Direkte Demokratie leben.

Idee(n) einer möglichen Zukunft sollten sich fragmentieren dürfen; in kleinere Ziele, die sukzessive erreichbar sind. Das Kapital wird abgeschafft! Sicher hat das was mit Sozialismus zu tun, ist aber kein Übergangsstadium, bei dem Entbehrungen alltäglich sind, um in das ‚Goldene Zeitalter‘ zu gelangen. Es ist eine Glaubensfrage des Handelns, nicht die der Utopie.
Jedoch der Widerspruch des Einzelnen zur Einheit im Gesamten wird bleiben. Immer wieder werden daraus Probleme erwachsen, mit denen wir uns seit Jahrtausenden rumschlagen, aber es ist genau dieser Widerspruch, der uns zu Menschen macht.

Die Summe der Scherben

In der ausgeführten Postmoderne war für mich die Entseelung des einzelnen Elements zu konstatieren, die in Zusammenschau sicher notwendig geworden war, um eine Homogenisierung des Gesamten zu gewährleisten.
Malerei ist für mich ein Mittel, kleine Erzählungen an den richtigen Nagel zu hängen. Sicher gibt es in meinen Bildern formale wie strukturale Tendenzen, dränge sie aber zugunsten von Bedeutungsfeldern zurück. Ich arbeite der Sinnentleerung des Bild-Elements entgegen, lade es mit Bedeutung auf, die sich knapp aus der Struktur enthebt. Das ist kein Fortschrittsoptimismus, aber ein Zurück zur möglichen Utopie, ohne gleich Ideologie zu werden und stelle die sog. Postmoderne vom Kopf auf die Füsse.

Die Werke evozieren Sehnsucht. Dies geht nur mit Elementen, die außerhalb meiner/unserer Zeit liegen. Angefangen bei der Malerei, aber auch der Geschichte darin, ist es ein Symbol über den Verlust an Werten und Ressourcen, die so nicht mehr zurück zu holen sind. Ich spreche nicht von einem ‚geworfen sein‘, sondern von einem Gestaltungsende: auf der einen Seite die Möglichkeit uns selbst in die Luft zu jagen, auf der anderen der rasante Verbrauch aller Ressourcen, einhergehend mit einem Verfall von Werten. Das daraus resultierende Vakuum wurde vom Kapital kompromittiert, wir haben uns zu Verbrauchern degradiert.

Bilder wie ein gebrochener Spiegel, vielleicht Kaleidoskop, die versuchen keinen neuen Entwurf zu präsentieren, sondern als Summe gesehen werden wollen. Ich male mit dem Zweifel und der Gewissheit des Scheiterns, um im Ergebnis noch einmal den Augensinn zu betören, gleichzeitig mit offener Struktur, die das Werk erfahrbar werden lässt und fragt: wie weit muss ich zurück, um noch einmal zu verlieren, was schon verloren ist. In letzter Konsequenz – das Paradies.
So lege meinen Finger in die wunde Stelle außerhalb des Bild-Systems, muss aber innerhalb um eine Antwort ringen. Das wird zum Programm, ein Programm, das sich selbst zersetzt, zersetzen soll, denn Widerstand – die erste Erfahrung des Menschen – wird zum Gegenstand, löst sich aus dem System, in das der fragmentierten Idee.

Schleifenbahnen

Die Sicht einiger theoretischer Physiker stößt gerade an ihre Grenzen. Nach dem geozentrischen Weltbild folgte das heliozentrische, mit der Sonne im Mittelpunkt. Natürlich erkennen wir längst den Modellcharakter dieser Annahme, denn selbst in unserer – um ein schwarzes Loch rotierenden – Galaxie, liegen wir weit am Rand. Da aber das Universum wohl keinen Rand, noch einen Mittelpunkt besitzt, ist jede Annahme möglich. Messungen in alle Richtungen ergeben das gleiche Alter vom knapp 14 Milliarden Jahren.

Aus der Logik der Quantenphysik ist eine Zwangsvorstellung geworden, die wieder an das alte Weltbild, mit der Erde als Mittelpunk, erinnert: des Menschen Gedanken, um den sich alles dreht. Mit jeder Entscheidung, für oder gegen, sollen neue Universen entstehen, weil jede Möglichkeit eben auch die andere zulässt. Glauben wir nicht daran, muss wohl einiges der Quantenphysik neu geschrieben werden.
Die heisenbergsche Unschärferelation besagt vereinfacht, dass wir allein durch Betrachtung unsere Welt verändern. Licht ist Teilchen und Welle zugleich, je nachdem, wie, oder wann wir drauf schauen. Und mit jeder Entscheidung entstehen, wenn wir die Kiste mit der Katze nicht öffnen, zwei Möglichkeiten von Wirklichkeit, die sich darstellen lassen müssen.

So ist für mich wichtig, was war, bevor wir uns diese Frage stellen konnten? Über 12 milliarden Jahre ein kleines mickeriges Universum im Quantenschaum, das nur darauf wartete, endlich durch den Menschen in Widerspruch gedacht zu werden, um sich dann mit aberbillionen Möglichkeiten von Universen zu füllen. Das ist cogniozentrisch. Wieder nur eine kleine Welt, in der aus Schleifenbahnen Kreise werden, damit das Ganze passt.

Vielleicht könnten wir es wie ein Backup in der Computerarbeit betrachten: Es wird nicht jeweils die gesamte Festplatte neu geschrieben, sondern nur die reinen veränderten Daten werden alten Koordinaten neu zugeordnet. Eine Backup-Festplatte, die über Jahre den Prozess neuer Entscheidungen an Daten sichert, braucht nicht viel größer zu sein, als die des Arbeitsbereichs mit Betriebssystem. Es hätte nicht die Möglichkeit der Weiterentwicklung einer alternativen Welt, jedoch die Entscheidung, für und gegen, wäre konserviert, ohne das wir anfangen, Mulitversen stapeln zu müssen.

Am Tellerrand des bewussten Seins

Unser Gesellschaftsgefühl nutzt sich ab, wie eine Beziehung, die nicht mehr zu halten ist, wir entfremden uns, gehen auf Distanz.
Ausschlaggebend ist das unmögliche Gebaren einiger Konzerne, die es immer wieder schaffen, sich aus der Verantwortung zu ziehen. Neue Produkte, die besser sein sollen, im Hochglanz stehen, sind teurer, nicht aber von Qualität. Es ist das Verzweifeln an den ‚unscheinbaren‘ vielen Kleinigkeiten, die sich häufen: Schnittstellen passen nicht, Software geht eigene Wege – wir bekommen nicht, was auf der Packung steht. Dieses Gefühl ruft Ärger hervor, die nicht mehr mit dem neuen Glitzer überstrahlt werden kann. Wenn Banker Leerverkäufe tätigen und das Institut an die Wand fahren, zahlt der Steuerzahler, Autokonzerne schreiben ihre Verluste ab. Dahinein passt, dass kein Bürger in Deutschland seinen Wertverlust geltend machen kann, Klagen sind kaum möglich, oder von geringer Aussicht. Der Verbraucher merkt jeden Tag, dass er über den Tisch gezogen wird.

Aus dieser Stimmung heraus, ist es einfach, auf Flüchtlinge zu zeigen, die als kulturelle Überfremdung wahrgenommen werden, aber nur, weil einige Leute das plausibel erklären. Natürlich gibt es Probleme mit der 3ten Welle unserer Neubürger, aber der eigentliche Grund liegt im Aufbrechen des gesellschaftlichen Zusammenhalts.
Es muss darüber nachgedacht werden, warum sich diese Menschen überhaupt auf den Weg gemacht haben. Märkte in Afrika sind mit billigen Waren geflutet, dass selbst kaum noch produziert wird. Es wird verkauft, was nicht gebraucht wird, aber abhängig macht. Pflanzenschutzmittel ziehen einen Nebel der Abhängigkeiten hinter sich her, dass ganze Volkswirtschaften sich darin verstecken könnten.

Bei VW wollten die Arbeiter sicher ein gutes Auto bauen, und sie waren von ihrem Produkt überzeugt – aber es ist belogen und betrogen worden, nur unter Zwang gab es Zugeständnisse, noch heute wird sich lieber im Einzelfall geeinigt. Das Kapital steckt den Rahmen, der ein anderer ist, als der des Verbrauchers – auch wenn er zur selben größeren Gruppe gehört. Schlimmer noch, er wird schlechter behandelt, als die Käufergruppe in Übersee. Gerechtigkeit geht verloren – der innere Zusammenhang bricht auf. Das Kapital spaltet die Gesellschaft, seine innovative Kraft ist verbraucht, schlägt ins Gegenteil.

Der Kapitalismus hat sich in den letzten 30 Jahren noch einmal gerettet, die Globalisierung machte es möglich neue Märkte zu erschließen, das ist nun vorbei – zumindest für Westeuropa und Nordamerika. China und Indien haben vielleicht noch die Chance – bis ihr eigener Markt gesättigt ist – ihre Waren in den noch ärmeren Ländern abzusetzen.
Das Gefüge wird sich derart verschieben, dass die Weltwirtschaft zum Erliegen kommt. Uuups! Dann kommt, was bisher immer gekommen ist: Krieg. Und wir brauchen nicht die Augen zu schließen, um zu merken, dass es schon jetzt an allen Ecken und Enden brennt (das Kapital muss sich ja regenerieren).

Der französische Vorschlag Europa finanziell, wie militärisch zu einigen kommt zur richtigen Zeit. Natürlich wird das im globalen Spiel die einzige Möglichkeit sein zu bestehen, die Märkte werden kleiner und nicht mehr nur dem überlassen, der die besseren Ideen hat. Die Ökonomie des Lebens ist zwangsläufig. Die Briten träumen, rechnen sich groß, die USA zuerst.
Die Menschheit aber wird langfristig nur bestehen können, wenn sich grundlegende Änderungen ergeben, auch die Einigung Europas wird nur ein kleiner Schritt in diese Richtung sein, die den Widerspruch von Kapital und Mensch zwar entschärft, glättet, bis ein Bewusstsein vorhanden ist, dass auch diese Form obsolet machen wird.

Das zuletzt solch unsägliche Summen im Fussball ausgegeben worden sind – ein Sport, deren Spieler meist aus den ‚unteren‘ Schichten kamen – schmerzt besonders. Das Spiel hat eine hohe Komplexität, benötigt Kraft und Ausdauer, Schnelligkeit, Überblick und verkommt nun zum Event. Brot und Spiele. Arbeitervereine wie Borussia oder Schalke sind längst Auslaufmodelle, der BVB eine Aktiengesellschaft und selbst 96 wird die 50+1 Regelung aufheben. Der Sport, mit dem Geld zu verdienen ist, passt sich an. Versucht die Unterhaltung zu gewährleisten, wird zur Wirtschaftsgröße. Identifikation kann nur noch durch Betäubung gelingen, sei’s mit Alkohol, oder Ultra, als Weg zurück in eine vermeintliche Selbstbestimmung.
Spannungen im Inneren müssen sich entladen, ein Grund (wie der G20-Gipfel), ist letztlich austauschbar. Es geht darum selbst an Stellschrauben zu drehen, für den Augenblick Fakten zu setzen. Wie beim Alkohol ist meist ein dicker Kater die Folge. Es wird die Verwendung des Militärs im Inneren diskutiert, das sind Schritte aus der Demokratie heraus.
Aus diesen Verhältnissen ergibt sich ein kultureller Identifikationsverlust, der so groß ist, dass die politischen Ränder neu erstarken. Es bricht auf, ohne sich zu entwickeln: Das nennt man Restaurativ.

Wir können es nicht zulassen und werden verhindern, dass das ausgelaugte, aggressive Kapital die Einzelnen, Gruppen, Völker und sich selbst zerstört. Es kann nur global agiert werden, was sich weltweit ändern muss. Die internationale Arbeiterbewegung wusste davon, dass nur der zum Ziel gelangt, der über den eigenen Tellerrand schauen kann.

Abschnitt

… es fing an, dass wir unsere Haare und Nägel schneiden mussten. Es lief sich nicht automatisch ab, wie bei den Hunden die Krallen, es störte, hinderte bei alltäglichen Verrichtungen. Haare konnte man zusammen binden, aber irgendwann wurde auch das hinderlich. Werkzeuge mussten gefunden werden, sich aus dieser Lage zu befreien. Seitdem schneiden wir Teile von uns ab.
Im Alter von gut einem Jahr, wurden mir die Haare – blonde Locken – von meiner Mutter das erste Mal geschnitten. Ich sollte wie ein Junge aussehen. So kam die Pracht herunter, auf dem Kehrblech gesammelt und von oben in die angeheizte Küchenhexe gegeben. Das weiß ich aus Erzählungen, aber woran ich mich wirklich erinnere, ist der orange-gelbe helle Schein an der Küchendecke, der durch das Auflodern der Flammen entstand. Initiation, Menschwerdung, eine Trimmung, die die Zugehörigkeit einer bestimmten Gruppe unterstreichen sollte, aber auch ein Trauma: dieses Leuchten steht mir im Unterbewusstsein, ist Verletzung und Orientierung zugleich.
Vielleicht noch heute ein Grund, warum Juden und Moslems ihre männlichen Nachgeborenen beschneiden. Ich glaube nicht an Hygiene, eher an ein Symbol des sich Aufrichtens gegen die Natur, des Aufgenommenseins in die Gemeinschaft derer, die sich ihrer selbst bewusst sind. Das Band zur Evolution wird noch einmal durchtrennt, als bewusster Akt, Kind Gottes zu werden, dem im alten Testament – qua Symbol – nun die Erde zu Gebote steht.

Horizont

Wenn Sein Zeit ist, ist es in die Physik entlassen
Das Relativitätsprinzip (spezielle Relativitätstheorie, 1905) von Einstein besagt, dass es keinen absoluten Raum und keine absolute Zeit gibt. Mein Mathematik-Lehrer erkläre es mir 1978 so: wenn ich mit der Kreide auf der Tafel einen geraden Strich am Lineal ziehe, ist es von einem interplanetaren Standpunkt betrachtet eine Kurve, denn während der Zeit des Zeichnens dreht sich die Erde weiter, was die einzelnen Schreib-Punkte aneinandergereiht gekrümmt erscheinen lässt. Ein qualitativ höherer Blickwinkel (von außerhalb des alten Verständnis-Systems) gibt die 3. Dimension eines 2-dimensionalen Vorgangs.
Unser Wahrnehmungsraum ist ein Pendeln, wie bei den Elektronen (negativ geladene Elementarteilchen und Schale des Atoms). Welle und Teilchen zugleich, können sie in ihrer Dualität nicht an einem Ort bestimmt werden. Je nach Art der Messung, die man an ihnen durchführt, wird entweder ihre Wellen- oder nur ihre Teilcheneigenschaft in Erscheinung treten, nie aber beides gleichzeitig.
Aber gehen wir näher heran – noch näher, und es scheint, dass jenseits der kleinsten, von uns im Augenblick vorstellbaren zeitlichen Ebene, das Kontinuum der Zeit seine Eigenschaften verliert. Die bekannten physikalischen Gesetze (jenseits der Planck-Zeit 5,391 · 10−44 Sekunden) versagen: Jede Ausdehnung im Raum kollabiert zu einem Schwarzen Loch.
Eine der Theorien zur Quantengravitation beschreibt das Gefüge der Raumzeit als 4-Dimensionalen Schaum, wobei man sich ein Bläschen (das mindestens die Größe einer Plankzeit hat), nicht eingebettet in Zeit und Raum vorstellen darf, sondern der Schaum selbst ist Zeit und Raum.

Wenn Zeit Sein ist, ist sie in die Ontologie entlassen
Durch den Menschen nimmt das Sein sich selber wahr und es wird sich nur bedingt auf den Grund gehen können. Wir müssten uns außerhalb stellen, wie beim Betriebssystem eines Computers, welches nur mit einem externen Datenträger repariert werden kann. Es kann nicht gelingen, den aktiven Kernel mit Bordmitteln auszuhebeln. Heute besitzen Computer eine Parallelwelt, den Cache: Es wird ausgelagert, was das Zeug hält, um schnelleren Zugriff (simpel: was öfters gebraucht wird, liegt ganz oben) zu gewährleisten und um den Kernel zu schützen. Eine wunderbare Erfindung!
Letztlich haben wir nur transzendiertes Zeug der uns umgebenden, alles durchdringenden, tieferen Wirklichkeit, hervor gebracht, wir sehen es meist erst hinterher. Wir bauen keine Autobahnen, weil unsere Blutbahnen brausen und den Wegen und Straßen etc. ähneln. Es ist die Ökonomie des Lebens, die uns zwingt, das Alte mit dem Neuen zu überbauen. Es stellt sich die Frage, ob auch wir ausgelagert sind, ist unser Weltbild doch der Schatten an der Wand? und haben deshalb keine Möglichkeit die Feinheiten unseres Betriebssystems zu verstehen?
Klar ist, dass wir mit den Computern der neuen Generation die Höhle bauen, in der das Lichterspiel schon stattfindet, allein der Betrachter fehlt noch – wir haben Milliarden Jahre gebraucht!

So müssen wir wohl an der letzten Frage zerbrechen: unser Horizont kann nicht überschritten werden, außer, dass sich das Leben zu einer Qualität entwickelt, auf der Erkenntnisse einer höheren Dimension möglich würden.
Trotzdem verstehen wir immer mehr im Rahmen des menschlich Darstellbaren. Als Teil der Natur vermessen wir das Universum mit unserem Welt-ICH, ein Universum als Spiegel unseres Selbst. Wir ruscheln uns die Grundlagen zurecht und fanden gerade den Klebstoff der alles zusammenhält (besser auseinandertreibt): Die Dunkle Materie. Nun stimmt die Rechnung wieder.