Der Tellerrand des Kapitals

Unser Gesellschaftsgefühl nutzt sich ab, wie eine Beziehung, die nicht mehr zu halten ist, entfremden wir uns, gehen auf Distanz.
Ausschlaggebend dafür ist das unmögliche Gebaren einiger Konzerne, die es immer wieder schaffen, sich aus der Verantwortung zu ziehen. Neuen Produkte, die besser sein sollen, im Hochglanz stehen, sind teurer, nicht aber von der alten Qualität. Es ist das Verzweifeln an den ‚unscheinbaren‘ vielen Kleinigkeiten, die sich häufen: Schnittstellen passen nicht, Software geht eigene Wege – wir bekommen nicht, was auf der Packung steht. Dieses Gefühl ruft Ratlosigkeit hervor, die nicht mehr mit dem neuen Glitzer überstrahlt werden kann.
Hier hinein stoßen die Flüchtlinge, die als kulturelle Überfremdung wahrgenommen werden, aber nur, weil einige Leute das plausibel erklären. Natürlich gibt es Probleme und das nicht zu gering, mit der 3ten Welle unserer Neubürger, der eigentliche Grund liegt aber im Aufbrechen des gesellschaftlichen Zusammenhalts.

Wenn Banker Leerverkäufe tätigen und das Institut an die Wand fahren, zahlt der Steuerzahler, die Autokonzerne schreiben ihre Verluste ab. Dahinein passt, dass kein Bürger seinen Wertverlust am Auto geltend machen kann. Klagen sind kaum möglich, oder von geringer Aussicht. Der Verbraucher merkt jeden Tag, dass er über den Tisch gezogen wird.
So ist es einfach, auf die Flüchtlinge zu zeigen. Nicht zuletzt muss darüber nachgedacht werden, warum sich diese Menschen auf den Weg gemacht haben. Dortige Märkte sind mit billigen Waren geflutet, dass selbst kaum noch produziert wird, nur konsumiert. Es wird verkauft, was nicht gebraucht wird, aber abhängig macht. Glyphosat zieht einen Nebel der Abhängigkeiten hinter sich her, das ganze Volkswirtschaften sich darin verstecken könnten.
Bei VW wollten die Arbeiter sicher ein gutes Auto bauen, und sie waren von ihrem Produkt überzeugt – aber es ist belogen und betrogen worden, nur unter Zwang hat die Firma Reparationen zugestanden. Das Kapital steckt den Rahmen, der ein anderer ist, als der des Verbrauchers – auch wenn es zur selben größeren Gruppe gehört. Schlimmer noch, er wird schlechter behandelt, als die Käufergruppe in den USA. Gerechtigkeit geht verloren – der innere Zusammenhang bricht auf.
Das Kapital spaltet die Gesellschaft, seine innovative Kraft ist verbraucht, schlägt ins Gegenteil. Es wird die Verwendung des Militärs im Inneren diskutiert, das sind Schritte aus der Demokratie heraus. Neue rechte Gruppen entstehen, die diesen Ärger mit einfachen Parolen aufzufangen versuchen.

Der Kapitalismus hat sich in den letzten 30 Jahren noch einmal gerettet, die Globalisierung machte es möglich neue Märkte zu erschließen, das ist nun vorbei – zumindest für Westeuropa und Nordamerika. China und Indien haben vielleicht noch die Chance – bis ihr eigener Markt gesättigt ist – ihre Waren in den noch ärmeren Ländern abzusetzen.
Das Gefüge wird sich derart verschieben, dass die Weltwirtschaft zum Erliegen kommt. Uuups! Dann kommt, was bisher immer gekommen ist: Krieg. Und wir brauchen nicht die Augen zu schließen, um zu merken, dass es schon jetzt an allen Ecken und Enden brennt (das Kapital muss sich ja regenerieren).

Der französische Vorschlag Europa finanziell, wie militärisch zu einigen kommt zur richtigen Zeit. Natürlich wird das im globalen Spiel die einzige Möglichkeit sein zu bestehen, die Märkte werden kleiner und nicht mehr nur dem überlassen, der die besseren Ideen hat. Die Ökonomie des Lebens ist zwangsläufig. Die Briten träumen, rechnen sich groß. Es geht um den Bestand der eigenen Gruppe, das Individuum ist nur in der Kunst gefragt, insofern, als es mit seiner Arbeit übergreifenden Kontext stiftet. Die Menschheit aber wird langfristig nur bestehen können, wenn sich grundlegende Änderungen ergeben (auch die Einigung Europas wird nur ein kleiner Schritt in diese Richtung sein), die den Widerspruch von Kapital und Mensch entschärft, glättet, bis ein Bewusstsein vorhanden ist, dass auch diese Form obsolet machen wird.

Das zuletzt solch unsägliche Summen im Fussball ausgegeben worden sind – ein Sport, deren Spieler meist aus den ‚unteren‘ Schichten kamen – schmerzt besonders. Das Spiel hat eine hohe Komplexität, benötigt Kraft und Ausdauer, Schnelligkeit, Überblick und verkommt nun zum Event des Kapitals. Brot und Spiele. Arbeitervereine wie Borussia oder Schalke sind längst Auslaufmodelle, der BVB eine Aktiengesellschaft und selbst 96 hat die 50+1 Regelung aufgehoben. Der Sport, mit dem Geld zu verdienen ist, passt sich an. Versucht die Unterhaltung zu gewährleisten, wird zur Wirtschaftsgröße. Identifikation kann nur noch durch Betäubung gelingen, sei’s mit Alkohol, oder Ultra, als Weg zurück in eine vermeintliche Selbstbestimmung. Spannungen im Inneren werden sich entladen, ein Grund, wie beim G20-Gipfel, ist letztlich egal. Es geht darum selbst an Stellschrauben zu drehen, für den Augenblick die Fakten zu setzen. Wie beim Alkohol ist ein dicker Kater die Folge.

Aus diesen Verhältnissen ergibt sich ein kultureller Identifikationsverlust, der so groß ist, dass die politischen Ränder neu erstarken. Es bricht auf, ohne sich zu entwickeln: Das nennt man Restaurativ.
Die Kraft der Menschen muss und wird es verhindern, dass das ausgelaugte, aggressive Kapital die Einzelnen, Gruppen, Völker und sich selbst zerstört. So kann nur global agiert werden, was sich weltweit ändern muss. Die internationale Arbeiterbewegung wusste davon, dass nur der zum Ziel gelangt, der über den eigenen Tellerrand schauen kann.

Abschnitt

… es fing an, dass wir unsere Haare und Nägel schneiden mussten. Es lief sich nicht automatisch ab, wie bei den Hunden die Krallen, es störte, hinderte bei alltäglichen Verrichtungen. Haare konnte man zusammen binden, aber irgendwann wurde auch das hinderlich. Werkzeuge mussten gefunden werden, sich aus dieser Lage zu befreien. Seitdem schneiden wir Teile von uns ab.
Im Alter von gut einem Jahr, wurden mir die Haare – blonde Locken – von meiner Mutter das erste Mal geschnitten. Ich sollte wie ein Junge aussehen. So kam die Pracht herunter, auf dem Kehrblech gesammelt und von oben in die angeheizte Küchenhexe gegeben. Das weiß ich aus Erzählungen, aber woran ich mich wirklich erinnere, ist der orange-gelbe helle Schein an der Küchendecke, der durch das Auflodern der Flammen entstand. Initiation, Menschwerdung, eine Trimmung, die die Zugehörigkeit einer bestimmten Gruppe unterstreichen sollte, aber auch ein Trauma: dieses Leuchten steht mir im Unterbewusstsein, ist Verletzung und Orientierung zugleich.
Vielleicht noch heute ein Grund, warum Juden und Moslems ihre männlichen Nachgeborenen beschneiden. Ich glaube nicht an Hygiene, eher an ein Symbol des sich Aufrichtens gegen die Natur, des Aufgenommenseins in die Gemeinschaft derer, die sich ihrer selbst bewusst sind. Das Band zur Evolution wird noch einmal durchtrennt, als bewusster Akt, Kind Gottes zu werden, dem im alten Testament – qua Symbol – nun die Erde zu Gebote steht.

Horizont

Wenn Seyn Zeit ist, ist es in die Physik entlassen
Das Relativitätsprinzip (spezielle Relativitätstheorie, 1905) von Einstein besagt, dass es keinen absoluten Raum und keine absolute Zeit gibt. Mein Mathematik-Lehrer erkläre es mir 1978 so: wenn ich mit der Kreide auf der Tafel einen geraden Strich am Lineal ziehe, ist es von einem interplanetaren Standpunkt betrachtet eine Kurve, denn während der Zeit des Zeichnens dreht sich die Erde weiter, was die einzelnen Schreib-Punkte aneinandergereiht gekrümmt erscheinen lässt. Ein qualitativ höherer Blickwinkel (von außerhalb des alten Verständnis-Systems) gibt die 3. Dimension eines 2-dimensionalen Vorgangs.
Unser Wahrnehmungsraum ist ein Pendeln, wie bei den Elektronen (negativ geladene Elementarteilchen und Schale des Atoms). Welle und Teilchen zugleich, können sie in ihrer Dualität nicht an einem Ort bestimmt werden. Je nach Art der Messung, die man an ihnen durchführt, wird entweder ihre Wellen- oder nur ihre Teilcheneigenschaft in Erscheinung treten, nie aber beides gleichzeitig.
Aber gehen wir näher heran – noch näher, und es scheint, dass nach der kleinsten, von uns im Augenblick vorstellbaren zeitlichen Ebene, das Kontinuum der Zeit seine Eigenschaften verliert. Die bekannten physikalischen Gesetze jenseits der Planck-Zeit (5,391 · 10−44 Sekunden) versagen: Jede Ausdehnung im Raum kollabiert zu einem Schwarzen Loch.
Eine der Theorien zur Quantengravitation beschreibt das Gefüge der Raumzeit als 4-Dimensionalen Schaum, wobei man sich ein Bläschen (das mindestens die Größe einer Plankzeit hat), nicht eingebettet in Zeit und Raum vorstellen darf, sondern der Schaum selbst ist Zeit und Raum.

Wenn Zeit Sein ist, ist sie in die Ontologie entlassen
Durch den Menschen nimmt das Sein sich selber wahr und es wird sich nur bedingt auf den Grund gehen können. Wir müssten uns außerhalb stellen, wie beim Betriebssystem eines Computers, welches nur mit einem externen Datenträger repariert werden kann. Es kann nicht gelingen, den aktiven Kernel mit Bordmitteln auszuhebeln. Heute besitzen Computer eine Parallelwelt, den Cache: Es wird ausgelagert, was das Zeug hält, um schnelleren Zugriff (simpel: was öfters gebraucht wird, liegt ganz oben) zu gewährleisten und um den Kernel zu schützen. Eine wunderbare Erfindung!
Letztlich haben wir nur transzendiertes Zeug der uns umgebenden, alles durchdringenden, tieferen Wirklichkeit, hervor gebracht, wir sehen es meist erst hinterher. Wir bauen keine Autobahnen, weil unsere Blutbahnen brausen und den Wegen und Straßen etc. ähneln. Es ist die Ökonomie des Lebens, die uns zwingt, das Alte mit dem Neuen zu überbauen. Es stellt sich die Frage, ob auch wir ausgelagert sind, ist unser Weltbild doch der Schatten an der Wand? und haben deshalb keine Möglichkeit die Feinheiten unseres Betriebssystems zu verstehen?
Klar ist, dass wir mit den Computern der neuen Generation die Höhle bauen, in der das Lichterspiel schon stattfindet, allein der Betrachter fehlt noch – wir haben Milliarden Jahre gebraucht!

So müssen wir wohl an der letzten Frage zerbrechen: unser Horizont kann nicht überschritten werden, außer, dass sich das Leben zu einer Qualität entwickelt, auf der Erkenntnisse einer höheren Dimension möglich würden.
Trotzdem verstehen wir immer mehr im Rahmen des menschlich Darstellbaren. Als Teil der Natur vermessen wir das Universum mit unserem Welt-ICH, ein Universum als Spiegel unseres Selbst. Wir ruscheln uns die Grundlagen zurecht und fanden gerade den Klebstoff der alles zusammenhält (besser auseinandertreibt): Die Dunkle Materie. Nun stimmt die Rechnung wieder.

Aus fünf Strichen wird eine Tasse, Zeichen und Sinnbild zugleich, in der Verdichtung mehrerer Aktionen ein Wald von Ideen, Widerspiegelung von Diskurs und Forderung, sich ins Verhältnis zu setzen. Vergegenständlichung entwickelt sich im Kopf. Gute Malerei wie das Leben selbst: ein Widerspruch. Ich suche den Ursprung, das Singuläre und verzweifle am dem Wissen, es nicht leben zu können, male/schreibe diese Gebrochenheit ins Bild, an die Wand, verliere nochmal, was schon verloren ist. Ich lege meinen Finger in die wunde Stelle außerhalb des Bild-Systems, muss aber innerhalb um eine Antwort ringen. Das wird zum Programm, ein Programm, das sich selbst zersetzt – zersetzen soll.

googles Traum, oder die Ökonomie des Lebens

Letztlich wissen wir nicht mehr, als das da etwas ist, alles andere, jede Benennung ist Interpretation, die sich immer wieder neu beweisen muss (das intuitive Begreifen wird evolutionär verloren). Harte Wissenschaften sind einfacher zu beurteilen, ein Flug zum Mond verifiziert die Möglichkeiten, wobei die Philosophie im Dunklen tappt und nur selten reale Anwendung erfährt. Philosophie ist eher Deutung, oder verändert sie tatsächlich?, es sind wohl die Umstände die den Wandel erzwingen! In der Logik der Ökonomie geht es immer um Neu-Gruppierung – zum Vorteil seines Organisators.
Der alltägliche Gebrauch erklärt eine Prozellanwandung mit Boden zu einer Tasse. Das Ding braucht den Begriff, der die gesamte Wolke des unausgesprochenen Möglichen zum eigentlichen Nutzen führt. Den Durst löschten wir zuerst mit zwei Händen zu einer Hohlform angeordnet, tauchten sie ins Wasser und konnten so Wasser über Distanz zu uns nehmen. Tiere müssen ihren Kopf auf Höhe des Wasserspiegels bringen, um sich mit der Zuge / Schnabel das Wasser zuzuführen. Welch ein Vorteil des aufrechten Gang’s, Wasser auch nur mit einer Hand aufnehmen zu können. Abwehrbereit die Waffe in der anderen, die Savanne beobachtend.
Die Ökonomie des Lebens fördert und führt an die Grenzen, weil sich in ihr nur die Erhaltung der Art reflektiert und auf  Bedingungen reagiert (die sie nun selbst erzeugt), war der Entwicklungshelfer über Jahrtausende. In 200 Jahren haben wir exponentiell die Ressourcen verbraucht, dass die alten Modelle nicht mehr greifen (der Garten ist geleert, der erste und letzte Apfel muss es bringen). Je mehr wir verbrauchen, desto schneller müssen sich heute Ideen entwickeln, um dem Leben neue Möglichkeiten / Impulse zu öffnen. Modelle müssen sich beweisen. Die Antwort auf die Frage, was unsere Art denn sei, ist schwerer als gedacht, der Verdacht liegt nahe, dass ein Nachdenken über Staat, Ethnie, Dorf, oder Religion nicht greifen wird.
Langsam (aber immer schneller) entwickelt sich ein Meta-System, das noch abgehoben vom normalen Leben, zu Geist gekommen ist. Selbstfahrende Systeme sind noch einfach gestrickt (natürlich hochkomplex in der Konstruktion), erste Wege werden selbstständig gefunden, ohne die Entscheidung eines Menschen. Dem Fahrer wird die Verantwortung genommen, wird frei gesetzt, das Ganze als Fortschritt verkauft. Natürlich sind das alles Optimierungen unter ökonomischen Gesichtspunkt: kein anderes Fahrzeug, anderer Mensch soll zu Schaden kommen, Waren oder Güter sollen in Zukunft preiswerter und schneller transportiert werden. Ein anderes Feld ist die visuell orientierte Spielwelt, in der KI’s den Part des Gegners übernehmen. Hier sind Fortschritte erzielt, die ein selbstfahrendes Auto ziemlich alt aussehen lassen.
Alles wird nach unserem Maßstab gemessen (seit der Renaissance) und wir wählen, was unserer Erfahrung entspricht – eine sehr begrenzte Sicht – so könnten wir auch ein Pilz unter der Vorhaut Gottes sein, wir wüssten es nicht.

Die Entwicklung künstlicher Intelligenz geht in immer schnelleren Schritten voran. Erste Rover kreisen auf dem Mars: ausgelagertes Bewusstsein in noch kleinem Maßstab, wenn er selbst entscheidet, was der beste Weg zum – vom Menschen auf der Erde festgelegten – Ziel sei. Es ist die Abgabe der Kompetenz an die KI, da direkte Kommunikation mit dem Mars über 40 Minuten dauert, in der die Lebenszeit des Robots besser genutzt werden sollte. Die Entwicklung geht schnell voran, selbstlernende KIs steckt noch in den Kinderschuhen. Systeme lernen mithilfe eines neuronalen Netzwerks wie ein Mensch, funktionieren (rechnen?) wie ein Schachcomputer (gut, auch ein sehr begrenztes Feld), der sich das Spiel selbst beibringt, das Werkzeug wird zum Akteur!
Das eröffnet Möglichkeiten ungeahnter Art: Unsere Gedanken haben die KI entwickelt, die sich selbst weiter entwickelt; unser Geist lebt in anderer Form weiter, verschmilzt in Bits and Bytes. Das Wissen der Menschheit wird transferiert, aber unter dem Aspekt der Ökonomie könnte es sein, dass 95 % der humanen Spezies überflüssig wird, zumindest uninteressant. Ein Rückfall in Barbarei ist wahrscheinlich, technologische Verödung in weiten Teilen die Folge, aber es gäbe kein Platz für Sentimentalität, es wäre die zwangsläufige Entwicklung.
Ökonomie ist kein Stillstand, sondern ständiges Ausprobieren neuer Möglichkeiten und so würden wir mittels der KIs erste Reisen ins All antreten und Milliarden von Kilometern hinter uns lassen. Keine Strahlung könnte das empfindliche humane Erbgut zerstören. Alter und Krankheit gäbe es nicht, Versorgung des Stoffwechsels unnötig. Diese KI würde sich entwickeln, vielleicht wie die ersten Seefahrer, die Schiffe würden effizienter. Weiter ins uns (un)bekannte All ginge die Reise, das Lernen / Wissen stiege irgendwann exponentiell an, sehr wahrscheinlich auch der Verbrauch an Energie, um das gesamte Gebilde zu versorgen. Höchstwahrscheinlich würde es an den Rand seiner Wirklichkeit stoßen, z. B. wenn das Universum mit künstlicher Intelligenz angefüllt wäre, wie heute unsere Welt bevölkert ist.

Zurück.
Im Westen und Asien das fortschreitende gierige Gewinnstreben, ein Kapitalismus, der seine Grenzen überschritten hat, alles mit sich reißt. So lassen sich die Probleme der Welt nicht lösen, auch nicht durch den Rückfall in theologische Kleinkriege (diese Zeit haben wir nicht mehr), noch durch die zügellose Maximierung von Profit.

Die neue Ordnung muss welterhaltend gestaltet werden, nur scheint darüber kein Konsens zu bestehen. Künstliche Intelligenz wird von Konzernen entwickelt, die am Ende des Tages ihre Kasse zählen, die Büchse der Pandora ist geöffnet, wie bei der Sequenzierung, und man kann nicht vorausschauen, wohin das führt. Die Entwicklung der Dampfmaschine hatte bei aller Ähnlichkeit im Entwicklungsschritt Maschinenstürmer hervorgebracht – die Angst, Anhängsel der Maschinen zu werden, wurde mit dem ersten Fließband zur Realität.
Der Maschine wird zum Geist verholfen, wir könnten uns von unserer biologischen Bindung befreien, aber nie werden wir auf der Brücke stehend mit einem großen Raumschiff andere Welten erkunden, die Physik spricht einfach dagegen (dieser Trägheitsdämpfer muss erstmal beschrieben werden, der eine Beschleunigung jenseits des Lichts zulässt). Vielleicht schaffen wir noch den Mars, aber nie werden Menschen unser Sonnensystem verlassen. Unsere Emission von Radiowellen donnert ohne Begrenzung seit ca. 70 (Licht)Jahren kugelförmig ins All, Sonden, die gerade den Jupiter und anschließend den äußeren Bereich des Sonnensystems erreichten, sind unterwegs. Nur unsere Vorstellung von einem Raumschiff (gleich einem Kreuzfahrtschiff), wird sich ändern müssen.
Ein Wurmloch könnte abkürzen, aber das einfache Problem der Beschleunigung  bliebe bestehen. Der Strang an DNA, notwendig eine Person zu klonen, läge bereit, würde aber voraussetzen, dass eine lebensähnliche (kompatible) Umwelt vorhanden wäre. Das wird wohl selten der Fall sein, so wählen wir nicht einen passenden Planeten zur weiteren Entwicklung, sondern entkoppeln uns von der biologischen Lebenserhaltung, wären Geist der Maschine.

Was wäre, wenn das einfache Schließen der Augen reichen würde, andere Welten zu schauen, unabhängiger, freier Geist ist nicht in Lichtjahren zu messen, im Handumdrehen wären wir in einer anderen Galaxie hinter dem Ereignishorizont. Vielleicht ist es – nachdem sich der Geist von den Maschinen befreit hat – weil das Gesamte Alles ist – ganz einfach, eine neue Singularität zu erzeugen. Noch einmal Milliarden Jahre, aber vielleicht nur ein leichtes Kratzen, weil es juckt.

Freiheit

… diese Aufnahme habe ich seit knapp zwei Jahren: die 4te Symphonie von Schumann, dirigiert von Sir Simon Rattle mit den Berliner Symphonikern. Öfters gehört – immer gut, nun wird sie immer besser!, in der ersten Fassung der eigentlich 2ten.
Vielleicht spielt die Aufnahmetechnik eine Rolle, große Transparenz bis in die hinteren Musikerplätze, aber all das habe ich gewusst. Hundertmal gehört, in etwa. Letztlich kann ich es nicht erklären, die CD klingt luftig und dramatisch, kein klassischer Zementblock, wie bei so vielen Aufnahmen. Schon die 2te und 3te des selben Zyklus‘ sind anders, haben nicht diese Dynamik, den Zugriff bis unten hinein.
Schumanns Romantik, von der Aufklärung geprägt, kommt sicher mehr vernunftbestimmt daher, ohne Verklärung, die ab 1865 in die Bürgerhäuser einzieht. Die Welt war auf die Füsse gestellt, ideal pragmatisch, mit einer Utopie, die über Grenzen hinausging.
Freiheit! mit einem Anklang von Schwermut.
Weitab für Heute. Dennoch,
das höre ich in diesem Stück, von Rattle freigelegt, der als Engländer (ein Begriff, den ich als Kind immer mit einem Werkzeug gleich setzte), hier meiner Unbedarftheit die Hand reicht und als Geburtshelfer die Zange ansetzt, neues Hörerleben in die Welt zu tragen. Jetzt die Symphonie von Holliger – knapp dran – aber nie wäre ich auf diesen Gedanken gekommen.
Musik, oder jede künstlerische Entäußerung, muss seine Grenzen verlassen, es ist wie eine Form ohne den Zwang zum Begriff: sie schwebt.

Jetztzeit

In jedem Ereignis findet das Jetzt seine Zeit, die [der] Gegenwart ist der Schutz des Jetzt im Augenblick seines Verlaufs, wobei das postulierte ‚Ich bin‘ das kontinuierliche Erwachen überbrückt und im Strom von Vergangenheit und Zukunft untergeht.

In meinem Viertel ist zum dritten Mal ein Eimer weißer Farbe verschüttet worden, an verschiedenen Stellen, aus Versehen. Das macht Rhythmus. Es liegen 10 kg Wandfarbe auf dem Gehweg. Beim Halten, oder Bremsen vom Rad gefallen, zur Freude des ästhetischen Gemüts. Urbaner Raum gestaltet sich selbst, bildet sich ab. Verkehrsteilnehmer, die durch die Farbe fahren oder gehen, transportieren regelmäßige Abdrücke in alle Richtungen. Ein Teil des Reifens ist geweißt und hinterlässt mit jeder Runde einen immer schwächer werdenden Abdruck auf dem Untergrund. Fußtritte gehen ins Abseits, um auf dem verbliebenen Winterrasen die Schuhe zu reinigen. Andere suchen, leicht schlängelnd, ihren unvermeidlichen Weg. Manche steuern aufeinander zu, das Neben-, Nach- und Übereinander lässt sich nur erahnen.
Weiter vor mir verlieren sich die Spuren, ein überschaubarer Ereignishorizont – Manifestation besonderer Art – nun, der Baumarkt ist gleich nebenan. Langsam verblassen die Markierungen, das Weiß wird, wie bei den vorherigen Malheurs, Grau und verschwindet irgendwann ganz.
Der Bereich ist seit vorgestern leicht mit Absperrband gesichert. Eine Papp-Tafel kündet von Gefahr. Irgendwie beschränkt das den interpretativen Raum und der Ort wird zur Baustelle degradiert. Ich frage mich: Warum eigentlich drei Mal Weiß, ist zu wenig Farbe heruntergefallen, damit einmal Rot dabei wäre?, und ich nehme an, dass es an der Renovierungsobligation, bei Aus- oder Einzug alles neu streichen zu müssen, liegt. Es riecht seltsam frisch an der Ampel, neben der die breit geflossene, heute zähe, Masse liegt.

 

Bei Fragen fragen

In erster Annahme hat jeder Gegenstand Raum und Form. Das mir gegenüberstehende Nicht-Ich, beweist sich in der Berührung. Form ist Abstraktion im Raum.
So muss entweder der Dinosaurier (vor 60 Millionen Jahren) einen Schöpfer gehabt haben, der die ihm innewohnende Idee erdacht hat, oder vor der Menschwerdung (sprachloser Raum) gab es keine Form, und die Dinosaurier existieren erst seit 1842.
Wir bauen diese Welt, geben jeder Erscheinung Namen. Am Anfang war das Wort, somit auch Gott, was diesen Begriff in eine durchaus überschaubare Zeitspanne legt. Wir machen es uns selbst und sind gleichzeitig in ihr, eine Welt, die sich selbst beschreibt.
Nach unserem Maßstab scheint das Werden und Vergehen sehr natürlich, Erkenntnis verfliegt, bleiben wird das Sediment des Lebens, freigegeben zur Interpretation für kommende Generationen sich selbst bewusster Existenzen. So sind die Dinosaurier Teil unserer Wirklichkeit geworden, auferstanden als Produkt ihres Zerfalls.
Ein Gedanken-Pfeil in der Historie rückwärts abschießen, der immer wieder nur die Hälfte der Strecke überwindet und niemals ankommt – jeweils gibt es noch ein kleineres Stück. Diese Vorstellung liefert einen quasi unendlichen Prozess, in dem die Gottesfrage wieder Berechtigung finden könnte, beruft sich aber auf eine Konstellation, bei der ich lieber anfange die Sterne zu zählen, da ich glaube, auch nicht fertig zu werden, obwohl wir grundsätzlich annehmen, dass das Universum endlich ist.
Weiß die Amöbe vor ihrer Teilung, von dem ihr innewohnenden Anderen, dem Ich und Nicht-Ich, oder sind das willkürliche Grenzen, vom Verstand gezogen, wie in Afrika nach dem Kolonialismus. Erst die Abgrenzung gibt eine Identität, als Mensch, als Gruppe, oder Staat.
Weltendeutung hat sich mit jeder Anwendung verifiziert und weiter entwickelt. Wir biegen es uns zurecht, stopfen die Relativitätstheorie in die Quantenmechanik – für mich mit der Hoffnung, dass nicht wieder Bomben geworfen werden müssen, um Gewissheit unseres Kenntnisstandes zu erlangen: Nie wieder ein Hiroschima, kein Nagasaki, nur um zu beweisen, dass unser Geist die letzten Fragen lösen kann.